Bei der Art der Kirchenmusik wollte Teichmann nicht zwischen Pop oder Klassik unterschieden wissen. Es gehe allein um „gute” oder „schlechte” Musik und um eine „echte und menschennahe Musik”. Musik spiele „zwischen den Zeilen”, sei für die Menschen so etwas wie ein Lebensmittel, führte Teichmann aus. Gospelmusik sei so etwas wie die „Volksmusik” in der Kirche.
Gerade weil die Kirchenmusik so vielfältig sei, wäre auch der Arbeitsplatz eines Kantors geprägt von unterschiedlichsten Betätigungsfeldern. Die Ausbildung an den Hochschulen sei oft zu „orgelorientiert” und zu wenig an den tatsächlichen Bedürfnissen der verschiedenen Gemeindemitglieder ausgerichtet, kritisierte er weiter. Senioren und Kinder sollten vom Einsatz eines Kantors ebenso profitieren wie die Freunde von anspruchsvollen Bach-Kantaten. „Gut ist ein niederschwelliges Angebot mit hohem Niveau”, fasste Teichmann zusammen. „Ein guter Kirchenmusiker definiert sich nicht allein über die Zahl der Oratorien”, fügte der Kirchenmusikdirektor hinzu.
Musik spreche zwischen den Zeilen und sei daher ein unverzichtbarer Teil des Gottesdienstes. Die Lust am lebendigen Gottesdienst könne durch die Arbeit eines nicht allein auf die Klassik fixierten Kantors gefördert werden. Kirchenmusik sei mehr als das Bewahren von Tradition. Teichmann forderte die Kirchenmusiker auf, die „musikalischen Türen der Kirchen weit zu öffnen”.
Um seine These zu unterstreichen, dass auch ohne viel Vorbildung und lange Proben die Stimme der Menschen zu einem harmonischen Vielgesang gebracht werden kann, animierte Teichmann die Anwesenden kurzerhand zum Singen. Mit einem simplen afrikanischen Lied, das ohne große Mühen sogar mehrstimmig erklang, führte der Experte den Beweis durch „Singen geht immer und mit allen”. Die Frage nach der Zukunft der Kirchenmusik beschäftigt den Kirchenkreis auch vor dem Hintergrund, dass Kirchenkreiskantor Wolfgang Westphal in absehbarer Zeit in den Ruhestand tritt. Foto: pd