KREUZRIEHE (Ka). Schärfer, radikaler und aktueller als in den vorausgegangenen fünf Programmen, wartete die Kleinkünstlerin Brigitte Wehrhahn aus Eimbeckhausen unter der Überschrift „Wat schall dat” beim plattdeutschen Bühnenspektakel in Kreuzriehe auf. Sie servierte im Saal des Gasthauses Hattendorf mit ungeahnter Energie ein buntes Huhn aus Deutschlands Suppenküchen. Der Blick in die politischen und bäuerlichen Töpfe war schon recht trüb und heiß, doch sie rührte auf, was lieber im Stillen vor sich hinbrodeln wollte. Nicht mit Wehrhahn! Bunt und lustig war die Art der Präsentation, nachdenklich bis traurig aber die ungefilterte Wahrheit, die sie auf dem Teller vor aller Ohren sezierte. Am Pult sitzend hatte sie schon was oberlehrerhaftes, denn der erhobene Zeigefinger mahnte und appellierte in Richtung Regierung. Ihre Optik erinnerte eher an eine brave leicht extrovertierte und provokante Putzfrau, doch hinter der Kittelschürze und dem blumigen Stirnband verbirgt sich ein redegewandtes und gut informiertes Sprachrohr der Öffentlichkeit. Mit scharfzüngigen Politattacken würzte sie die Atmosphäre. Dabei setzt sie in ihrem 6. Programm auf stete Aktualisierung. Sie passt sich den aktuellen politischen Geschehnissen an und so kann es passieren, dass auch die Lokal-Politik mit der bevorstehende Landratswahl in Neubesetzung schon bald für neue Töne sorgt. In Kreuzriehe bewegte sie sich aber auch wieder auf Bundesebene und schoss scharf gegen die bittersüßen Diätenerhöhungen, ergebnislosen Gipfeltheater und sinnlosen Subventionen, wie zum Beispiel die Promi-Karten zu den Wagner-Festspielen in Bayreuth. Wer sich in Gefahr begibt kommt darin um, so ihr Leitgedanke und spricht aus, was die Bürger oft kopfschüttelnd hinnehmen und verärgert denken. Die Unterschicht hat halt Magersucht, die Mittelschicht leidet an Schwindsucht und die Oberschicht glänzt mit Fettsucht, so ihr Resümee und weiß immer noch einen draufzusetzen. Rasant wie in der Formel I nahm sie sich die Promis zur Brust und ließ auch Michael Schumacher nicht aus. Der schnellfahrende Steuer-Exilant hat vom Finanzamt ein Angebot erhalten, wenn er zurückkommt, zischte sie in die Menge. „Mir macht das Finanzamt nie Angebote, die buchen nur stillschweigend ab”. Nachdenklich, entspannt und lustig wurden die Kalauer aus der Landwirtschaft und der Politik vom Publikum wie ein Schwamm aufgesaugt. Um Wehrhahn zu verstehen, muss der Zuhörer kein perfektes Plattdeutsch sprechen können. Er sieht in der Boing 747 auch ohne geplättete Buchstabensalate viele Bierdosen beheimatet. Wehrhahn bezifferte das Flugzeug-Material mit 60 Millionen Bierdosen. Der Wehrhahnsche (Wissens)Durst und Informationshunger birgt nicht nur schmackhafte Inhalte, sondern trägt auch eine satirische Verpackung. Dem passte sich das Gasthaus „Hanndöpp” an und hielt ´n anständiget Beier, Kaffe un Kauken un Eeten au se Speisekoarten bereit. Dem amüsierten und gut unterhaltenen Publikum gefiel, was es sah, genoss und hörte und freut sich auf die nächsten Kleinkunst-Termine „Wat schall dat” am 29. Oktober in Bad Münder, 30. Oktober im Hamelspringe, 5. November in Röcke, 6. November in Eimbeckhausen, 12. November in Immensen, 13. November in Ockensen, 19. November in Bordenau und 20. November in Mittelrode. Foto: ka