Der 36-Jährige gibt unumwunden zu, das sich die Liebe zum Theater bei ihm erst relativ spät eingestellt hat. Während der Schulzeit hatte er, der sich als eher schüchterner Schüler einschätzte, damit gar nichts am Hut. Nach dem Abitur begann Lunghuß in Heidelberg sein Studium der Fächer Philosophie und Germanistik. Über Freunde knüpfte er dort dann erste Kontakte zu einem Studententheater. Nach dem Grundstudium ging er nach Berlin. Dort hospitierte er am Maxim-Gorki-Theater. Am Schauspielhaus in Bochum wurde ihm gleich eine Regieassistenz angeboten. Weitere Stationen waren unter anderem Frankfurt am Main und Konstanz. Demnächst geht Lunghuß nach Kiel, um dort als freier Regisseur an der Entwicklung eines Stückes zu arbeiten.
Den Kontakt für die Schüleraufführung im Forum des Gymnasiums knüpfte Winfried Busse, ehemaliger Lehrer von Marc Lunghuß und stellvertretender Vorsitzender des Bad Nenndorfer Kulturforums. Beim Nordrhein-Westfälischen Theatertreffen fand Busse den Namen Lunghuß auf der Liste der Regisseure. Mehrere Nachforschungen ergaben, dass es sich dabei „tatsächlich um den schüchternen Schüler aus meiner ehemaligen Klasse handelte”, erinnert sich Busse. Und: „Der Marc war ein eher unauffälliger Schüler gewesen”.
Bei Busse wuchs der Wunsch, den Regisseur für eine Aufführung am Gymnasium zu verpflichten. Seinen 75. Geburtstag nutzte der Leiter des „Theaterkreises” im Kulturforum und bat seine Gäste um ein Geldgeschenk für die Verpflichtung des Landestheaters. 1500 Euro sind so zusammengekommen. Weitere 1000 Euro kamen vom Verein „Umsonstladen”. Der Rest ist durch die Eintrittsgelder der rund 300 Schülerinnen und Schüler der zehnten und elften Klassen erbracht worden.
Weil das Stück nach dem Musil-Roman nicht unumstritten ist, war die Teilnahme an der Theateraufführung freiwillig. In einem Anschreiben an die Eltern hat die Rektorin des Gymnasiums, Dr. Irmtraud Gratza-Lüthen, im Vorfeld auf die teils recht drastischen künstlerischen Mittel in dieser Inszenierung hingewiesen. Bei den „Verwirrungen des Zöglings Törleß” geht es um Missbrauch, Gewalt und Unterdrückung. Eine Rezension des Stückes lesen Sie an anderer Stelle im „Schaumburger Wochenblatt”. Foto:pd