Die Jugendlichen waren begeistert vom Elan der Frau, die mit besonderer Hingabe Nazi-Parolen von Stromkästen, Hauswänden, Buswartehäuschen oder Parkbänken entfernt. Nicht ohne sie vorher mit dem Fotoapparat zu dokumentieren. Nagellackentferner gehört zu ihrer „Ausrüstung”. Wie auch Farbe oder Stifte, um die unsäglichen Parolen zu verfremden und sie damit der Lächerlichkeit preiszugeben. Ihre Erfahrungen hat sie in der Ausstellung mit dem Titel „Hass vernichtet” zusammengestellt, die schon in zahlreichen europäischen Ländern zu sehen war und jetzt auch kurz im Bad Nenndorfer Gymnasium Station gemacht hat. Zeitgleich sind Arbeiten von ihr auch in Obernkirchen und Stadthagen zu sehen gewesen. In Bückeburg gab es eine Absage. „Das passiert mir oft gerade in solchen Städten, in denen es viele Probleme mit solchen Hetzparolen gibt”, räumte Schramm ein.
Sehr erfreut zeigte sie sich über das Engagement und die Begeisterung der Schüler in Bad Nenndorf. „Die haben grandios mitgemacht”, freute sich die 65-Jährige noch beim Besuch im Rathaus, wo sie von Bürgermeisterin Gudrun Olk und Heinrich Bremer begrüßt wurde. Schramm berichtete dort auch über die Inititalzündung für ihr Engagement gegen Nazi-Schmierereien und über Angriffe aus der rechten Szene gegen ihre Person. „Das interessiert mich nicht. Ich mache weiter”. Die Meinungsfreiheit höre dort auf, wo Hass und Fremdenfeindlichkeit angepriesen werden, argumentiert sie auch in Richtung Behörden, wenn sie wieder einmal wegen ihrer Kampagne mit den Ordnungshütern in Konflikt gerate. 25 Jahre sei sie nun unbeschadet davongekommen und sie sehe keinen Grund, mit ihrem Tun aufzuhören.
Zum so genannten „Trauer-Marsch” der Neonazis am 6. August werde sie gerne wiederkommen. Und nach Möglichkeit einen Teil ihrer Ausstellung noch einmal einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen, versprach sie im Rathaus. Die Verwaltung wird jetzt prüfen, ob und wie ihre Fotos und die im Workshop des Gymnasiums entstandenen Arbeiten nahe der Aufmarschstrecke oder sogar direkt an der Wincklerbad-Fassade aufgehängt werden können. Foto:pd