Stadthagen hat sich am letzten Wochenende von seiner schlammigsten Seite gezeigt. Auf dem Matthäi-Gelände am Georgschacht ging erstmals „Matschhagen 2026 - Mach dich dreckig!“ über die Bühne. An zwei Tagen wagten sich jeweils rund 500 Teilnehmer auf den etwa 600 Meter langen Hindernisparcours und durften sich dabei ganz offiziell einmal so richtig einsauen.
Das Konzept erinnerte an einen Mud Run, allerdings stand in Stadthagen weniger der sportliche Wettkampf als der Spaß im Vordergrund. In einstündigen Zeitslots konnten die Teilnehmer den Parcours so oft durchlaufen, wie sie wollten - und konnten. Wasserbecken, Matsch, Kletterhügel, Seile, Rutschen, Kriechnetz, Röhren und eine Schlammgrube warteten auf die Mutigen. Wer am Ende noch halbwegs sauber war, hatte vermutlich etwas falsch gemacht.
Claudia Völlner, Assistentin der Geschäftsführung, die im Unternehmen unter anderem organisatorische und administrative Aufgaben übernimmt und Termine sowie Abläufe koordiniert, hatte gemeinsam mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen an den beiden Veranstaltungstagen die Sache einmal ganz anders im Griff. „Sauber“ lief dabei allerdings vor allem die Organisation. An den einzelnen Stationen standen Matthäi-Mitarbeiter, die sonst auf Baustellen oder im Büro im Einsatz sind. Ihre Aufgabe war an diesem Wochenende allerdings eine andere als sonst, nämlich dafür zu sorgen, dass es ordentlich matschte.
Auch viele Familien nutzten die Gelegenheit, sich einmal ohne schlechtes Gewissen dreckig machen zu können. Für Lene Kuhlenbeck und ihre zehnjährige Tochter Helene gehörten die Farbpulvertöpfe und die große Rutsche zu den Höhepunkten. „Die Farbpulvertöpfe waren toll und auch die große Rutsche war super“, berichteten die beiden nach ihrem Matschabenteuer. Sie fanden es großartig, dass ein solches Angebot erstmals in Stadthagen auf die Beine gestellt wurde.
Für eine besondere Geschichte sorgten schließlich Rike Schmidt aus Stadthagen und Christoph Schulz aus Siegen (NRW). Die beiden nutzten den Matschtag als gemeinsames „Matsch-Date“. Mit dabei waren Schmidts dreieinhalbjähriger Sohn Mattheo, der vermutlich zu den jüngsten Teilnehmern gehörte, sowie Schulz' Kinder Jonas (16) und Finjas (13), die sich an diesem Tag zum ersten Mal kennenlernten. Ob Schmidt und Schulz ein Paar seien? „Wir arbeiten darauf hin“, antwortete Schmidt lachend.
Schulz der Verwandte in Stadthagen hat, nahm dafür einiges auf sich. Aus Siegen angereist, hatte er ausgerechnet an seinem Geburtstag rund vier Stunden auf der Autobahn verbracht, um an dem Event teilzunehmen und natürlich, „Um sie (Rike) zu sehen“. Das Matschabenteuer sollte beim Kennenlernen also behilflich sein.
Wie die vier den Parcours fanden, war schnell geklärt. „Cool“, lautete die kurze und zugleich ziemlich treffende Antwort. Schmidt erklärte, warum, „Sich mal so richtig einzusauen, weil man es ja sonst nicht darf“, sei schließlich eine Art „unerfüllte Kindheitserinnerung“.
Damit die Teilnehmer überhaupt in den Matsch kamen, kümmerten sich Ilka Compes und Jessica Sievert um Anmeldungen und Einverständniserklärungen der Eltern. Ein paar wenige Angemeldete erschienen nicht, sodass auch spontan noch Plätze vergeben werden konnten. Die Nachfrage war trotzdem groß. Fast alle der rund 1000 verfügbaren Startplätze waren bereits im Vorfeld vergeben.
Für Musik auf dem Gelände sorgten derweil Lasse Ruthmann und Eric Luttner. Die Matthäi-Mitarbeiter hatten ihre Technik trocken auf Paletten am oberen Ende des Areals aufgebaut, quasi hinter dem Platz der als Zuschauerbereich vorgesehen war und begleiteten das Matschvergnügen musikalisch.
Wer den Zuschauerbereich allerdings erreichen wollte, musste ebenfalls über Matschfestes Schuhwerk verfügen. Nach den regnerischen Tagen zuvor war leider auch dort der Boden stark aufgeweicht. Nach dem Parcours gab es für jeden Teilnehmer ein sauberes T-Shirt als Erinnerung und vermutlich auch als dringend benötigten Ersatz für die völlig verdreckte Kleidung.
Ob „Matschhagen“ im kommenden Jahr wieder stattfindet, stand zunächst noch nicht fest. Angesichts des großen Andrangs an beiden Tagen dürfte der Wunsch nach einer Wiederholung allerdings nicht nur bei den Teilnehmern groß sein.