Die Blumenhalle der Landesgartenschau Bad Nenndorf ist ein Ort, an dem Floristik nicht einfach gezeigt, sondern erlebt wird. Friederike Rahlfes von Milles Fleurs (Hannover) verbindet Blumenkunst mit Raumkunst, kurörtliche Geschichte mit zeitgenössischer Pflanzenästhetik und die besondere Prägung Bad Nenndorfs mit einer neuen, sinnlichen Form des Erlebens.
Sole, Schwefel, Gesundheit und Wandel schwingen in ihr mit – nicht als bloßer Hintergrund, sondern als Teil einer floralen Erzählung, die inspiriert, berührt und überrascht. So entsteht ein atmender Ausstellungsraum, der Schönheit nicht nur sichtbar macht, sondern spürbar werden lässt. Besonders ist dabei nicht nur jede einzelne Inszenierung, sondern die große Erzählung, die sich aus allen vier Ausstellungen zusammensetzt. Die Blumenhalle entfaltet sich über die Laufzeit der LaGa in vier aufeinander aufbauenden Zyklen, die gemeinsam wie ein florales Storytelling in vier Akten wirken. Jede Ausstellung steht für sich, doch ihre volle Wirkung entfaltet die Blumenhalle erst als Ganzes. Wer diese Geschichte wirklich erleben will, muss also wiederkommen und den Weg durch alle vier Akte Stück für Stück mitgehen.
Derzeit können die Besucher im ersten Akt noch die Wucht eines kraftvollen, visuellen Zeichens in der Blumenhalle erleben. Sie erwartet ein farbengewaltiges, immersives Blütenfeuerwerk in Magenta, Orange, Pink, Rot und Gelb. Dabei besteht ein klarer Bezug zu Bad Nenndorf: Die „explodierende Quelle“ wird zur floralen Hommage an die heilenden Wasserquellen und damit zum funkelnden Ursprung dieser ganzen Erzählung.
Nach dem Rausch der Farben verändert sich die Stimmung. Der zweite Zyklus wird ruhiger, tiefer, natürlicher – und gerade darin überwältigend. Schwebende Mooslandschaften, organische Pflanzenskulpturen und wurzelartige Gebilde ziehen in die Blumenhalle ein.
Mit dem dritten Kapitel rückt der Mensch ins Zentrum der Erzählung. Nach äußerer Fülle und elementarer Naturkraft öffnet sich der Blick nach innen. „Erblühen“ zeigt den Zusammenhang zwischen Gedanken und Blüten, zwischen innerem Erleben und äußerer Form.
Am Ende der Erzählung wird es stiller. „Erdenwerk“ führt zurück zum Ursprung, zu Wurzeln, Schichten und dem, was Halt gibt. Moos, Erde, Stein, Wurzelholz, Basalt und Lavagestein formen stille Landschaften, geologische Linien und kraftvolle Körper. Die Farbwelt wird erdig: Braun, Ocker, Olivgrün und Dunkelrot, dazu warme Lichtinseln und Duftnoten nach Waldboden und Humus. Der Raum blüht hier nicht laut, sondern atmet ruhig, tief und archaisch.
Foto: Lennart Schmidt, Landesgartenschau gGmbH