Schwerhörigkeit hat häufig mit der Degeneration der Haarzellen im Innenohr zu tun. Im Alter ist das ein ganz natürlicher Prozess. Durch moderne Hörgeräte kann der Schall so weit verstärkt werden, dass die verbleibenden Haarzellen Sprache, Geräusche und Musik an den Hörnerv weiterleiten können. Doch moderne Hörgeräte kommen an ihre Grenzen, wenn die Haarzellen zu weit degeneriert sind.
Seit etwa 25 Jahren gibt es gut funktionierende Hörimplantate. Hinter dem Ohr wird unter der Kopfhaut ein Implantat mit einer Empfängerspule und einer Stimulationselektrode eingesetzt. Von da aus werden Signale über die im Innenohr sitzende Elektrode direkt an den Hörnerv abgegeben. Damit lässt sich ein Defekt an den Haarzellen überbrücken, der Hörnerv leitet die Signale direkt ins Gehirn. Erst dort entsteht eine Hörwahrnehmung.
Das Innenohr hat die Form einer Schnecke (lateinisch: Cochlea). Das Cochlea-Implantat selbst hat keine Batterie. Der außen hinter der Ohrmuschel liegende Audio- und Sprachprozessor mit Batterie und Senderspule übernimmt per Induktion die Stromversorgung des inneren Bauteils. Radiowellen übertragen die codierten Schallsignale.
„Doch der Patient muss im Anschluss an den Klinikaufenthalt mitarbeiten.“ Darauf weist Dr. Parwis Mir-Salim hin. Der Facharzt für Hals, Nasen und Ohren erklärt: „Es treffen keine Informationen der Haarzellen, sondern direkte elektrische Impulse auf den Hörnerv. Der Patient muss wie bei einer Fremdsprache lernen, diese neuen Signale im Gehirn als Sprache, Musik und Geräusche wahrzunehmen.“ Häufig trägt der Patient auf der einen Seite noch ein Hörgerät. Sein Gehirn muss die Schallverstärkung auf diesem Ohr erst mit den ungewohnten elektronischen Signalen auf dem „neuen Ohr“ in Einklang bringen. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass der Patient das Hör-Implantat zu einhundert Prozent will. Das lässt sich im Rahmen der Beratung in der Sprechstunde herausfinden.
Pro Jahr werden in Deutschland schätzungsweise 4.500 bis 5.000 Hörimplantate eingesetzt. Die Operation dauert etwa eineinhalb Stunden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten. Dr. Parwis Mir-Salim freut sich über die großen Erfolge, von denen seine Patienten berichten. Er selbst setzt etwa 100 Implantate pro Jahr ein. Sein jüngster Patient ist viereinhalb Monate, der älteste 94 Jahre alt.