RINTELN (km). Zahlreiche Besucher waren jetzt bei der Eröffnung einer neuen Sonderausstellung im Museum mit von der Partie, in der unter dem Titel „Mühlen, Galgen, Festungswälle” historisches Kartenmaterial aus Rinteln und Umgebung gezeigt wird - und zu einer Expedition in die Vergangenheit einlädt.
Museumsleiter Dr. Stefan Meyer macht dabei deutlich, dass die Dokumentation vor allem helfen soll, die Spuren einer längst vergessenen Kulturlandschaft wieder zu entdecken. Mit Hilfe der - überwiegend nachgestellten - Karten aus den vergangenen Jahrhunderten sollen mittelalterliche Richtstätten, Landwehren und Warttürme, Waldrodungen, verlassene Siedlungen und alte Hohlwege sichtbar gemacht und erläutert werden.
Beeindruckt von dem Kartenmaterial zeigte sich auch Alexander Schenk, der neue Leiter des Katasteramtes, der in seinem Grußwort darauf hinwies, dass die „Vermesser” schon vor Jahrhunderten - praktisch ohne besondere Hilfsmittel - in der Lage gewesen seien, mit erstaunlicher Präzision zu arbeiten.
Alte Karten, ergänzte Stefan Meyer, seien allgemein eine historische Quelle von großer Bedeutung: Sie zeigten ein Fülle von Details, die in schriftlichen Quellen häufig gar nicht oder nur unzureichend beschrieben seien. Auch für die mittelalterliche und neuzeitliche Archäologie seien sie ein unverzichtbares Hilfsmittel. Dennoch seien nur wenige historische Karten bislang veröffentlicht und einem größeren Publikum zugänglich gemacht worden. Verdeutlichte Meyer: „Das hängt vor allem mit ihrer Unhandlichkeit zusammen, die für die Wiedergabe in Buchform selten geeignet ist.” Für Ausstellungen wiederum seien die Originale mit ihren Wasserfarben in der Regel zu lichtempfindlich. -
Die vom Rintelner Museum selbst konzipierte Ausstellung versucht daher, durch die großflächige Reproduktion der Karten aus den Staatsarchiven in Marburg und Bückeburg zur Schließung dieser Informatioslücke beizutragen.
Anlässe für Kartierungen waren anfangs zumeist Konflikte um Grenzverläufe, für deren Illustration Karten das präziseste, unmissverständlichste und einfachste Mittel waren. Stefan Meyer: „Entsprechend ist auch die älteste Karte unseres Gebietes auf territoriale Streitigkeiten zurückzuführen. Sie entstand im 16. Jahrhundert und zeigt das Grenzgebiet zwischen der Grafschaft Schaumburg und dem Gebiet der Edelherren zu Lippe.” Die Anfertigung von Karten erfordere, so Meyer, unbedingte Ortskenntnis - die durchaus wichtiger sein könne als kartographische Erfahrung. Gerade solche „dilettantischen” Karten stellten oft Inhalte bildlich dar, die ein professionellerer Kartograph als unbedeutend weggelassen oder durch ein schlichtes Symbol ersetzt hätte. Viele Karten seien jedoch mehr als nur schlichte Informationsträger. Häufig hätten aufwändige Vignetten die Titel geschmückt und damit deutlich gemacht, dass man ihre Anfertigung und Präsentation als Kulturleistung empfunden habe, die auch ästhetischen Ansprüchen genügen sollten. Siegel und Unterschriften hätten zudem Echtheit und Verbindlichkeit bestätigen und so den Charakter von Urkunden können.
Die Ausstellung zeigt vor allem handgezeichnete Karten des 16. bis frühen 19. Jahrhunderts und kommentiert durch mehr als 150 Einzelbeschreibungen kulturhistorischer Besonderheiten. Durch ihren großen Maßstab werden viele Details erkennbar, ihre Individualität nimmt häufig Rücksicht auf einzelne Landschaftselemente, und Gebäude sind als plastische Miniaturzeichnungen dargestellt. So soll sich das Bild einer vielfach vergangenen, in weiten Teilen aber auch noch fortlebenden Kulturlandschaft des Schaumburger Landes offenbaren. Foto: km