Schaumburger Wochenblatt
  1. Rintelns letzter Student war ein begabter Dichter

    Vortrag und Buchpräsentation über Andreas Wiß am 17. Dezember

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    RINTELN (km). Im Alter von nur 27 Jahren verstarb 1816 in der damals hessischen Stadt Schmalkalden in Thüringen der Dichter Andreas Wiß. Der Altersgenosse Joseph von Eichendorffs geriet nach seinem Tod schnell in Vergessenheit. Anlässlich seines 220. Geburtstags am 27. Dezember (1788) werden seine Gedichte jetzt wieder gedruckt. Am nächsten Mittwoch, dem 17. September, wird der Autor Robert Eberhardt sein Buch "Andreas Wiß - Ein Rintelner Student und vergessener Dichter der Romantik" im Museum Eulenburg vorstellem. Der erst 21 Jahre alter Verleger (geboren 1987 in Schmalkalden) ist ein UrUrUrUrUrUrgroßneffe von Andreas Wiß.

    Jungverleger Robert Eberhardt stellt die Werke seines Vorfahren Andreas Wiß vor.

    Es war der 25. April 1810, als der 21-jährige Andreas Wiß in Rinteln sein Studium mit der zweiten theologischen Prüfung beendete und damit einer der letzten (vermutlich sogar der allerletzte) Absolvent der Universität Rinteln war. Im Zuge der Umstrukturierung unter der Herrschaft von Jérôme Bonaparte wurde die ehrwürdigen "Ernestina" zum Ende des Wintersemesters 1809/10 geschlossen.

    Drei Jahre zuvor war Wiß zum Theologiestudium nach Rinteln gekommen. 1788 in Brotterode im Thüringer Wald geboren, hatte er die Lyzeen in Gotha und Schmalkalden besucht. Seine Familie (überwiegend Geistliche) stammte aus der alten Reformationsstadt Schmalkalden, die wie Rinteln damals eine Exklave der Landgrafschaft Hessen-Kassel war. Zu Rinteln hatte seine Familie mehrfach Verbindung. Sein vier Jahre ältere Bruder Christoph Wiß (1784-1854) hatte etwa in Rinteln studiert und sollte später als erster Direktor des 1817 gegründeten Gymnasium Ernestinum an der Weser wirken und der Schule zu einem vortrefflichen Ruf verhelfen.

    26 Gedichte sind von Andreas Wiß erhalten, von denen er einige während seiner Studienzeit in Rinteln verfasste. In der "Elegie beim Abschied von Rinteln" beschäftigt er sich etwa mit der Gefahr eines Einzugs in die westphälische Armee. Auch für ein Lehrgespräch über den Sinn des Lebens nutzt er die Landschaft seiner Studienzeit als Szenerie. In "Versuch einer christlichen Idylle" lässt er den Hirtenjungen Theobald beim Anblick des Wesertales mit dessen Vater Ziddai wichtige Lebensfragen besprechen.

    Man darf annehmen, dass Andreas Wiß beim Verfassen des Gedichtes den Hohenstein vor Augen hatte, denn in einem weiteren Werk wendet er sich "diesem beeindruckenden Felsen" zu. Das Gedicht trägt den Titel "Beim Anblick des Hohensteins" und ist eine Reflexion über die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge. Später geht er auf die Schlachten des Arminius ein, deren Schauplatz er in der Region vermutete. Nach seinem Examen in Rinteln studierte Wiss noch ein Semester in Marburg und konnte sich unter verschiedenen Angeboten eine Arbeitsstelle aussuchen. Aus Rinteln wurde ihm die Stelle eines Konrektors, also eines stellvertretenden Rektors, angeboten. Doch er bevorzugte eine Hauslehrerstelle auf der Wilhelmshöhe bei Kassel, die damals "Napoleonshöhe" hieß. Dort unterrichtete er die Kinder der Höflinge von Napoleons Bruder Jérôme, der im klassizistischen Schloss mit Blick auf Kassel und den Herkules residierte. Der talentierte und bestens ausgebildete Theologe konnte nicht zuletzt wegen der Kontakte seiner Familie eine ausgezeichnete Laufbahn erwarten. Doch wegen einer sich verschlimmernden Krankheit musste er Kassel 1814 verlassen und die Pflege seiner Familie in Schmalkalden aufsuchen. Noch auf dem Sterbebett verfasste er Gedichte, die von seinem Zweifeln und Hoffen Zeugnis ablegen. Nach einem qualvollen Krankheitsverlauf starb der Hoffnungsträger der Familie im Januar 1816 ohne die Möglichkeit, sein poetisches Interesse weiter ausbilden zu können. Bevor Christoph Wiß als frisch verheirateter Gymnasialrektor noch im selben Jahr nach Rinteln zog, veröffentlichte er in großer Trauer die Gedichte seines Bruders. Als anrührendes Zeugnis eines liebenswerten Menschen sowie kultur- und alltagsgeschichtliche Quelle eines Studentenlebens während der turbulenten Jahren der französischen Expansion ist Andreas Wiß erst jetzt wieder zugänglich. Sein Leben und Dichten wird am 17. Dezember ab 19.30 Uhr im Museum Eulenburg beleuchtet.

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