Die Abordnung des Landes war in einer nahen Sportstätte untergebracht, so dass nur ein kurzer Fußmarsch zum täglichen Training notwendig war. Die „Tagesration” auf den Matten betrug jeweils fünf Stunden am Vormittag und am Abend – mit Aufwärmübungen, Uchikomis (Technikeingängen) in Stand und Boden sowie Zweikämpfen. Dabei wurden die Teilnehmer in „leichte” und „schwere” Jungs und Mädchen geteilt. Die Grenze lag bei 55 Kilogramm. Der jeweilige Wettkampfpartner sollte möglichst aus einer anderen Nation oder wenigstens aus einem anderen Landesverband stammen. Mutig gingen die Niedersachsen auf ihren jeweiligen Gegner zu. Besonders die Leichtgewichte von 30 Kilogramm mussten jedoch häufig gegen um die Hälfte schwerere Athleten antreten – und gerieten in oftmals unangenehme Haltetechniken.
Ein Höhepunkt war die Trainingseinheit von Mark Huizinga, der neben Gold und zweimal Bronze bei den Olympischen Spielen bereits weitere 40 Medaillen bei World Cups und anderen internationalen Höchstveranstaltungen erkämpfte und in Rotterdam seine Spezialtechnik Seoi-Nage und Tai-otoshi erklärte.
Die Niedersachsen bewiesen auch in den eigenen Reihen große Kameradschaft: Es wurde füreinander eingestanden, getröstet und angefeuert. Das mitgereiste Trainerteam reichte von Northeim über Braunschweig bis nach Lauenau. Katinka Wittekindt durfte das Rotterdamer Trainingslager noch um eine einwöchige Schulung ergänzen: Die 15-Jährige folgte einer Einladung des Deutschen Judobunds.
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