Rodenbergerin berichtet vom litauischen Weihnachtsfest
Nicht der Weihnachtsmann brachte den Kindern in der Sowjetunion die Geschenke sondern „Dedmoroz”, Väterchen Frost, und nicht am Heiligen Abend sondern zu Silvester, berichtet Eva Chabinskaja, die seit 1996 in Deutschland lebt. Unter der kommunistischen Führung war das Weihnachtsfest verpönt, Eva Chabinskaja und ihre Familie begingen die christlichen Feiertage trotzdem, wie viele im traditionell katholisch geprägten Litauen.
Vor dem Weihnachtsfest hielt die Familie eine vierwöchige Fastenzeit ein. Diese galt auch noch für den 24. Dezember für das gemeinsame abendliche Essen. Kein Fleisch, Eier oder ähnliches kamen am Heiligen Abend auf den Tisch. „Eine wichtige Tradition ist es, unter die Tischdecke eine Lage trockenes Stroh zu platzieren”, erklärt Eva Chabinskaja. Eine Erinnerung an die Geburt Jesu im Stall, die mit ihrer Symbolik besonders zur Weihnachtsatmosphäre beitrug. Zwölf Gerichte wurden dann serviert, entsprechend der Zahl der zwölf Apostel. Auch ein Christbaum durfte zum Fest nicht fehlen. Als zauberhafte, magische Stunden habe man den Heiligen Abend empfunden, erinnert sich Eva Chabinskaja. Zur christlichen Botschaft seien dabei eine Reihe von Elementen aus dem Volksglauben getreten, berichtete Chabinskaja schmunzelnd. So war es etwa üblich, dass die Feiernden jeweils einen Halm aus dem unter der Tischdecke lagernden Stroh zogen. Die Länge des Strohhalmes sollte Auskunft über die noch verbleibende Lebensspanne geben. Junge Mädchen könnten in ihren Träumen in der Heiligen Nacht ihren zukünftigen Mann sehen.
Der erste Weihnachtsfeiertag sei dann in der Familie lebhafter gefeiert worden. Jetzt gab es auch reichhaltige Fleischgerichte, sehnsüchtig erwartet, wie Chabinskaja hinzufügte. Am zweiten Weihnachtstag habe man dann wieder ruhiger gefeiert und sich etwas ausgeruht.
Als Geschenke-Überbringer trat dann zu Silvester „Väterchen Frost” auf, der die Gaben mit seiner jüngeren Begleiterin an die Kinder verteilte. Für die Darsteller von „Väterchen Frost” sei dies eine durchaus anspruchsvolle Tätigkeit gewesen, erinnert sich Eva Chabinskaja. Immerhin hätten ihnen die Gastgeber bei jedem Besuch einen oder mehrere Schnäpse eingeschenkt, die „Väterchen Frost” kaum ablehnen konnte, ohne den Hausherren zu verärgern. Bei einem Programm von rund zehn Kunden am Silvesterabend konnte dies schwerwiegende Folgen haben. Einerseits war es kaum möglich, bei den letzten Besuchen die zugedachte Rolle noch wunschgemäß zu spielen. Andererseits wurde der Heimweg bei den tiefen Außentemperaturen im winterlichen Litauen zu einer gefährlichen Angelegenheit.
Mittlerweile würden mehr und mehr Litauer dazu übergehen, die Geschenke wie in vielen anderen Teilen Europas auch zu Weihnachten zu übergeben, hielt Chabinskaja fest.
Foto: bb
RBGLBB93a: Eva Chabinskaja berichtet von der litauischen Weihnachtstradition.