Hintergrund für die ungewöhnliche Liaison ist die räumliche Trennung der leiblichen Großeltern des achtjährigen Iestyn Lewis und seiner elfjährigen Schwester Amy. Gemeinsam mit den Eltern leben sie in Schmarrie; aber die Omas und Opas sind weit entfernt: im britischen Wales und im sächsischen Dresden.
Doch so ganz ohne dritte Generation sollten ihre Kinder nicht aufwachsen, befand Mutter Antje Lewis. Die 37-Jährige hält es für wichtig, dass Kinder schon früh Kontakte zu älteren und behinderten Menschen pflegen.
So kam sie auf die Idee einer Patenschaft. Das „Nora” war ihrem Nachwuchs bereits vom Kindergarten „Pusteblume” bekannt: Damals bastelte die Gruppe gemeinsam mit den Bewohnern Lebkuchenhäuser in der Vorweihnachtszeit. Nur zu gern nahm El-Salmi das Angebot an. Der Heimleiter ist seit jeher auf Vielfalt in seinem Haus bedacht.
Etwa alle zwei Wochen kommen nun die Kinder. Gerade erst waren sie wieder da und überraschten sie mit selbstgebackenem Weihnachtsgebäck. „Großmutter” Waltraud Wenzel (89) und „Großvater” Herbert Becker (73) revanchierten sich mit Hilfe des „Nora”-Personals mit einem Beutel Obst und Süßigkeiten. „Meine Lieblingsomas sind neben Frau Wenzel auch Frau Budde und Frau Wüstenfeld”, berichtet Amy begeistert von ihren Besuchen, die sie mit ihrem Bruder meist an Wochenenden ins „Nora” führt. „Das sind wirklich goldige Kinder – und die Bewohner lieben sie”, bestätigt auch El-Salmi. Ein erster Funke war übrigens bald nach den Sommerferien von Jung zu Alt übergesprungen.
Auch Mutter Antje lobt das „Nora”: „Es fasziniert mich, wie mit regelmäßigen Veranstaltungen für die älteren Menschen deren Selbstständigkeit gefördert wird”, vergleicht sie den hiesigen Alltag mit dem in der früheren DDR: Da habe sie einen anderen Umgang mit den Menschen in den Altenheimen erlebt. Foto: jam