Erstmals ist im Weser-Leine-Bergland südlich von Hannover ein Luchs ausgewildert worden. Umweltminister Christian Meyer, Agrarstaatssekretärin Frauke Patzke sowie Vertreter der Nationalparkverwaltung Harz, des Landkreises Hameln-Pyrmont, der Jägerschaft und der Niedersächsischen Landesforsten entließen das einjährige weibliche Tier im Osterwald in die Freiheit.
Die Luchsin war im August 2025 verwaist im Landkreis Goslar gefunden worden. Mitarbeiter des Nationalparks Harz brachten sie zur Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen. Dort wurde das Tier zwölf Monate lang versorgt und auf die Auswilderung vorbereitet.
„Die Wiederansiedlung des Luchses in Niedersachsen durch das Luchsprojekt Harz ist ein großer Erfolg für den Artenschutz“, sagte Umweltminister Meyer. Im Harz gebe es inzwischen wieder eine stabile Population. Auswilderungen wie 2023 im Solling und nun im Weser-Leine-Bergland könnten dazu beitragen, den Luchs auch in anderen Waldgebieten Niedersachsens wieder heimisch zu machen.
Nach Angaben des Ministeriums leben im Harz inzwischen mehr als 160 Luchse. Damit sei die Population die größte in Deutschland. Weil sie weiterhin von anderen Vorkommen isoliert ist, gilt der Luchs in Niedersachsen jedoch nach wie vor als „vom Aussterben bedroht“. Zudem wird sein Erhaltungszustand als schlecht bewertet.
In den vergangenen Jahren waren bereits zwei verwaiste weibliche Luchse in den Sieben Bergen bei Alfeld und im Solling ausgewildert worden. Dort kam es inzwischen mehrfach zu Nachwuchs. Die Freilassung im Osterwald soll dazu beitragen, dass sich die Population in Richtung Süntel und Deister weiter stabilisiert. Als Vorteil des Weser-Leine-Berglands gilt der geringere Konkurrenzdruck durch Artgenossen. Außerdem bietet das Gebiet Platz für ein eigenes Revier. Im Osterwald wurden bereits männliche Luchse nachgewiesen. Sie könnten sich mit der ausgewilderten Luchsin fortpflanzen. Um die Bewegungen des Tieres verfolgen zu können, trägt es in den kommenden Monaten einen Halsbandsender. Die Auswilderung wurde mit den Niedersächsischen Landesforsten, den regionalen Jägerschaften und den unteren Naturschutzbehörden des Landkreises Hameln-Pyrmont, des Landkreises Hildesheim und der Region Hannover abgestimmt.
„Heute haben wir dieser Luchsin eine Chance auf ein Leben in ihrer natürlichen Umgebung zurückgegeben“, sagte Staatssekretärin Patzke. Jede erfolgreiche Auswilderung trage dazu bei, eine langfristig stabile Population in den niedersächsischen Wäldern aufzubauen. Roland Pietsch, Leiter der Nationalparkverwaltung Harz, verwies auf die weiterhin isolierten europäischen Luchspopulationen. Dadurch bestehe ein Inzuchtproblem, das langfristig sogar ein erneutes Aussterben des Luchses begünstigen könne. Der Nationalpark Harz unterstütze deshalb internationale Bemühungen, die Vorkommen miteinander zu vernetzen. Auch die Niedersächsischen Landesforsten begrüßten die Auswilderung. Da im Osterwald bislang keine weiblichen Luchse nachgewiesen worden seien, leiste sie einen gezielten Beitrag zur Stabilisierung der örtlichen Population, sagte Heiko Brede, Förster für Waldökologie im Forstamt Saupark.
Der Luchs war vor rund 200 Jahren infolge intensiver Verfolgung durch den Menschen in Mitteleuropa ausgestorben. Anfang der 2000er Jahre starteten das Land Niedersachsen und die Landesjägerschaft Niedersachsen mit dem „Luchsprojekt Harz“ den ersten offiziellen Wiederansiedlungsversuch in Deutschland. Zwischen 2000 und 2006 wurden im Nationalpark Harz insgesamt 24 Luchse ausgewildert. Seit 2010 hat sich die Harzer Population allmählich über das Mittelgebirge hinaus ausgebreitet. Ihr Verbreitungsgebiet reicht inzwischen auch in die Nachbarländer Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen. Weitere Informationen gibt es unter www.luchsprojekt-harz.de.