Kennen Sie das auch, man gibt so richtig Vollgas, damit man etwas für seine Familie, die Kollegen, den Verein, die Gemeinde oder den Freundeskreis erreicht. Man möchte das Umfeld verschönern, verbessern oder einfach den Mitmenschen etwas Gutes tun. Dafür opfert man Zeit und Kraft, damit alles gut wird und möglichst viele Menschen glücklich macht.
Wenn dann alles gut funktioniert hat und man selbst und auch die anderen mit der Leistung und dem angestrebten Ergebnis mehr als zufrieden sein könnten, atmet der Wohltäter durch und erwartet zu Recht eine gewisse Anerkennung in Form von Lob oder anderer guter Worte. Das ist, wie ich finde, völlig legitim. Ja, auch wenn wir etwas nicht gestalten oder organisieren, um uns selbst darzustellen, tut uns Lob und Anerkennung immer wieder gut.
So funktioniert es überall wo Ehrenamtliche tätig sind. Dankbarkeit und Wertschätzung sind wichtig, um den Ehrenamtlichen aber auch den anderen, die sich für die Familien und die Allgemeinheit einsetzen, eine gewisse immaterielle Entlohnung zukommen zu lassen. Wenn das dann aber ausbleibt, ist das für die Betroffenen immer wieder sehr bitter und oftmals ärgerlich. Da kommt dem ein oder anderen durchaus diese Redensart in den Kopf: „Undank ist der Welt Lohn.“
Dieser Gedanke an sich ist schon sehr alt. Die ersten Male ist diese Redensart in unseren Breitengraden im 13.Jahrhundert erwähnt worden, aber auch schon in der Antike spielte Undank eine Rolle. Das ist ja auch gut nachvollziehbar, denn jeder Mensch hat eine andere Wahrnehmung. Jeder Mensch ist unterschiedlich empfindsam und dankt auch anders. Viele Menschen haben mittlerweile sogar Probleme Dinge und Taten anderer anzunehmen. Da wird gern mal gesagt, dass man das dem anderen wieder gut machen wird.
Wir dürfen diese Woche nicht nur den Tag der Deutschen Einheit, für den wir durchaus sehr dankbar sein dürfen, sondern auch das Erntedankfest feiern. Im ländlichen Bereich ist dieses Fest traditionell noch gut nachvollziehbar und ist immer noch relativ fest in der Gesellschaft verankert und somit durchaus präsent. Unser Bewusstsein, dass wir gerade an diesem Feiertag voller Demut und Dankbarkeit an das denken, was wir jeden Tag haben und nicht darüber jammern was wir nicht haben, ist im Laufe der Zeit nicht mehr so klar wie das zum Beispiel der Nachkriegsgeneration klar war. Wir haben trotz der Kriege in der Welt immer noch in Hülle und Fülle zu essen, haben es im Winter warm und leben in Freiheit. Uns geht es richtig gut. Es ist da doch ehrlich gesagt an der Zeit zu sehen, dass wir ,im Gegensatz zu anderen Menschen, sehr viel haben.
Wer sorgt eigentlich dafür, dass wir so viel zu essen haben?
Die unter uns, die die Felder bestellen und abernten, unsere Landwirte, denen wir dankbar sein sollten, denn sie widmen ihr Leben genau dieser beruflichen Aufgabe und das Ganze ohne festen Feierabend, Urlaubsanspruch und Abbummeln von Überstunden. Und wenn wir jetzt noch einen Schritt weiter gehen und an den Schöpfer unserer Welt denken, dann kann es uns doch schon mal in den Sinn kommen, sich für seine Gaben an uns, die wir jeden Tag bekommen, bei unserem Gott zu bedanken.
Dann ist nicht mehr Undank, sondern Dank der Lohn der Welt. Ich finde, dass er das verdient hat. Wir können ihm unsere Dankbarkeit und Wertschätzung geben, auch wenn wir viele Dinge, die er zulässt, nicht billigen und schon längst nicht verstehen.
Dankbarkeit in Freiheit, da sind wir uns doch einig.