Mit rund 140 Gästen ist der gemeinsame Neujahrsempfang der Volksbank in Schaumburg und Nienburg eG, der Kreishandwerkerschaft Niedersachsen-Mitte und des Steuerberaterverbands Niedersachsen Sachsen-Anhalt (Ortsverband Schaumburg) auf große Resonanz gestoßen. Neben Rückblicken und wirtschaftlichen Einschätzungen stand vor allem der Vortrag der Generationsforscherin Prof. Dr. Antje-Britta Mörstedt im Mittelpunkt, die den Wandel der Arbeitswelt durch junge Generationen eindrucksvoll beleuchtete.
Auftakt mit wirtschaftlichem Ausblick
Zunächst ging es aber los mit einem Jahresbeginn, in dem die Gastgeber auf ein anspruchsvolles, aber chancenreiches Wirtschaftsjahr blickte. Markus Strahler, Mitglied des Vorstands der Volksbank, betonte die Bedeutung gemeinsamer Ziele und einer starken regionalen Vernetzung. Auch Dr. Michael Kricheldorf vom Steuerberaterverband und Kreishandwerksmeister Dieter Ahrens nutzten ihre Redebeiträge, um den Zusammenhalt der regionalen Wirtschaft zu unterstreichen und auf Herausforderungen wie Fachkräftemangel oder Bürokratie hinzuweisen. Ahrens gab gleich noch die Forderungen hinsichtlich bezahlbaren Wohnraums an das Publikum.
Junge Generationen im Fokus
„Freizeit oder Arbeit?“ – mit dieser zugespitzten Frage eröffnete Prof. Dr. Antje-Britta Mörstedt ihren unterhaltsamen und zugleich wissenschaftlich fundierten Vortrag. Die Professorin der PFH Private Hochschule Göttingen arbeitet seit Jahren an der Schnittstelle von Arbeitswelt und Jugendforschung. Sie stellte Ergebnisse aus Tausenden Interviews mit den Angehörigen der sogenannten Generation Z (den zwischen 1994 und 2010 Geborenen) vor.
Diese junge Altersgruppe, so Mörstedt, lege besonderen Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance, Sinnhaftigkeit im Beruf und moderne Arbeitsumgebungen. „Die Arbeit muss zum Privatleben passen“, fasste sie die Haltung vieler junger Menschen zusammen. Technikaffinität, kreative Kommunikationsformen und eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit künstlicher Intelligenz prägen ihren Alltag. Dementsprechend sei auch das, was ein Unternehmen heute seinen jungen Auszubildenden und Berufsanfängern bieten muss.
Herausforderung für Arbeitgeber
Für Unternehmen im Schaumburger Land bedeute das, neue Wege bei der Nachwuchsgewinnung zu gehen. Humorvolle Social-Media-Kampagnen, Messenger-Kommunikation oder flexible Arbeitszeitmodelle seien längst keine „Extras“ mehr, sondern oft entscheidend bei der Wahl des Arbeitgebers. Mörstedt zeigte dazu eine aufmerksamkeitsstarke Werbeanzeige aus dem Fleischerhandwerk, bei der mit Augenzwinkern und einem „Mett-Igel“-Motiv für Ausbildungsplätze geworben wurde. Deutlich wurde aber auch, dass oft die Eltern die Initiativgeber für die Bewerbung sind, und die erreicht man eben über klassische Werbung, wie Anzeigen im Schaumburger Wochenblatt, sehr viel besser.
Auch die nachfolgende Generation Alpha (die jüngsten Jahrgänge ab 2020) gerät jetzt zunehmend in den Fokus. Sie wachse digital, umsorgt und stark vernetzt auf, zugleich aber in einer von Krisen geprägten Welt, was laut Mörstedt zu Unsicherheiten führe. Arbeitgeber müssten daher verstärkt auf Orientierung, Sinn und Stabilität achten.
Am Ende des Abends standen der Dialog und das gemeinsame Gefühl, dass Wandel und Zusammenhalt kein Widerspruch sind. „Man muss sich heute mehr anstrengen, um gute Leute zu kriegen“, fasste die Gastrednerin zusammen, das war eine Erkenntnis, die bei den Anwesenden ebenso Nachdenklichkeit wie Zustimmung hervorrief.
Beim anschließenden Austausch nutzten viele Gäste die Gelegenheit, persönliche Kontakte zu pflegen und neue Ideen für das kommende Jahr zu entwickeln.