Wieder Hilfe aus dem Weserbergland in Richtung Ukraine unterwegs | Schaumburger Wochenblatt

27.02.2024 13:33

Wieder Hilfe aus dem Weserbergland in Richtung Ukraine unterwegs

Sind am zweiten Jahrestag des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf Achse: Andreas Paul Schöniger und Hartmut Michaelis. (Foto: Interhelp )
Sind am zweiten Jahrestag des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf Achse: Andreas Paul Schöniger und Hartmut Michaelis. (Foto: Interhelp )
Sind am zweiten Jahrestag des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf Achse: Andreas Paul Schöniger und Hartmut Michaelis. (Foto: Interhelp )
Sind am zweiten Jahrestag des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf Achse: Andreas Paul Schöniger und Hartmut Michaelis. (Foto: Interhelp )
Sind am zweiten Jahrestag des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf Achse: Andreas Paul Schöniger und Hartmut Michaelis. (Foto: Interhelp )

Am zweiten Jahrestag des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine verlässt ein Konvoi mit Hilfsgütern das Weserbergland: In Bückeburg starten die Interhelp-Mitglieder Andreas Paul Schöniger und Hartmut Michaelis mit einem von Bauerngut kostenlos zur Verfügung gestellten Transporter. Von Stadthagen aus steuert Marcus Mielke von der Interhelp-Partnerorganisation International Children Help (ICH) zur selben Zeit weitere wertvolle Fracht ins Ziel. In der Ukraine sterben derweil Menschen, darunter viele Kinder und Senioren. Die Zahl der Verletzten steigt von Tag zu Tag. Die Not ist groß. Gerade die Rentner sind auf Lebensmittelspenden angewiesen, um zu überleben.

Es ist das erste Mal, dass sich die Hilfsorganisation Interhelp mit Sitz in Hameln und das Kinderhilfswerk International Children Help (ICH) aus Stadthagen zusammentun, um Not leidenden Menschen in der Ukraine zu helfen. Bei anderen Projekten für Bulgarien, Kroatien und Paraguay hatten die befreundeten Organisationen schon mehrere Male Hand in Hand gearbeitet. Menschen leiden Hunger – vor allem auf den Dörfern. „Die Hilfe aus dem Ausland, die uns erreicht, wird immer weniger“, sagt Nadia, die ehrenamtlich für Interhelp arbeitet. Aber die Bedürftigen werden immer mehr. „Den Menschen fehlt ihr Einkommen. Vielen hat der Krieg die Arbeit genommen. Und diejenigen, die einen Job gefunden haben, bekommen niedrige Löhne. Dabei sind die Preise hoch. Die Menschen stehen ständig unter Stress – deshalb werden sie häufiger krank. Die Behandlung, die Medikamente, alles ist sehr teuer. Viele sind verzweifelt.“ Hilferufe aus dem Elend nehmen zu.

Auf den Weg ins Interhelp-Zwischenlager

Marcus Mielke ist ehrenamtliches ICH-Beiratsmitglied und Chef des Hemminger Logistikunternehmens Logistream. Weil sein 18-Tonner nur 80 km/h schnell fahren darf und er Lenk- und Ruhezeiten einhalten muss, ist er bereits am Freitag um 10 Uhr losgefahren. Im Südosten Polens, in der Nähe der Hauptstadt der Woiwodschaft Karpatenvorland, werden sich die Ehrenamtlichen von Interhelp und ICH am Samstagnachmittag treffen und gemeinsam zum Interhelp-Zwischenlager fahren. Die Adresse wird aus Angst vor möglichen Sabotageakten geheim gehalten. Ohnehin würden die Hilfsgüter aus dem Weserbergland im Raum Rzeszów stets neu und individuell für einzelne Kliniken an der Front, aber auch für viele Feuerwehr- und Sanitätseinheiten, zusammengestellt und danach mit verschiedenen Fahrzeugen über das Interhelp-Verteilzentrum im ukrainischen Lwiw direkt in die Frontgebiete gefahren, sagt der Interhelp-Vorsitzende Ulrich Behmann, der von einem „ausgeklügelten Logistik-System“ spricht.

„Dorthin, wo medizinische Hilfe und Nahrungsmittel besonders dringend benötigt werden, ist es lebensgefährlich. Dort explodieren immer wieder Granaten und Raketen, sterben jeden Tag Menschen“, sagt Behmann. Es brauche Freiwillige, die bereit seien, das Risiko einzugehen. „Wir nutzen Busse, Züge, Feuerwehrfahrzeuge, Kleintransporter und Lastwagen, um die Spenden zu den Menschen, die Hilfe benötigen, zu bringen.“ Einmal, erzählt Behmann, habe sich nur ein Militärpfarrer gefunden, der bereit war, direkt in ein besonders schwer umkämpftes Gebiet im Osten des Landes zu fahren. Der Geistliche habe auf seinen klapprigen gelben VW-Bus mit einem Filzstift schwarze Kreuze gemalt und darauf gesetzt, dass Gott ihn schütze. „Zum Glück ist er wohlbehalten zurückgekehrt“, sagt Behmann. Die Tour des Priesters habe nachweislich Menschenleben gerettet.

Als ICH-Chef Dr. Dieter F. Kindermann von Ulrich Behmann erfahren hatte, dass Interhelp einen weiteren Hilfstransport für die Frontgebiete plant, bot er spontan Hilfe an. Der Stadthäger kaufte bei „Jawoll“ große Mengen Konserven zum Einkaufspreis ein, ging auf Betteltour für die gute Sache. Mehrere Tonnen Fruchtsäfte, gespendet von riha Wesergold, medizinische Behandlungsliegen, Rollatoren und Rollstühle, gebrauchte Feuerwehruniformen und 10.000 FFP2-Masken füllen den 18-Tonner, der von Marcus Mielke gesteuert wird.

Teil der Helferfamilie

Interhelp nahm am Freitag bei dem Hamelner Unternehmen HaMix zusätzlich als Spende 1,3 Tonnen Instant-Suppen in Empfang. Aber auch gebrauchte Atemschutzmasken und neue Filter, die gegen Giftgas und Rauchgase schützen, lebensrettende EKG- und Defibrillator-Geräte wurden von Schöniger und Michaelis geladen. „Es macht uns Freude, zu helfen“, sagt Interhelper Andreas Paul Schöniger, ein ehemaliger Berufssoldat. „Dafür lohnt es sich, Strapazen auf sich zu nehmen.“ Polizeihauptkommissar a.D. Hartmut Michaelis, ebenfalls Interhelper, nickt: „Ich bin froh, Teil der Helferfamilie zu sein. Für mich ist es eine Tour der Menschlichkeit.“

Am späten Sonntagabend wollen Schöniger, Michaelis und Mielke wieder daheim bei ihren Familien sein. Für Schöniger steht schon jetzt fest: „Es war nicht meine letzte Fahrt. Ich hoffe sehr, dass uns die Menschen im Weserbergland auch in Zukunft ihr Vertrauen schenken und ihre Portemonnaies öffnen.“ Die Not in der Ukraine sei groß. Sie müsse gelindert werden. „Wenn wir auch nur ein Leben retten, hat sich unsere Arbeit gelohnt“, sagt Schöniger, der bereits jetzt gemeinsam mit dem Interhelp-Vorsitzenden Ulrich Behmann den nächsten Hilfstransport plant. Schöniger hofft, dass heimische Feuerwehren Interhelp gebrauchte Atemschutzmasken spenden werden. „Kameradschaft kennt keine Grenzen“, sagt der Interhelper, der seit mehr als 40 Jahren der Feuerwehr Meinsen-Warber-Achum angehört. „Feuerwehrleute in der Ukraine retten, bergen und löschen – und das unter ständiger Gefahr, selbst zu sterben.“ Wer Interhelp Hameln/Bückeburg unterstützen möchte, kann sich dazu auf www.interhelp.info informieren.


Von red
north