Schaumburger Wochenblatt
  1. 35 Stolpersteine erinnern an die Opfer der NS-Zeit

    Gunter Demnig verlegt zehn Steine / Zeitzeugin erinnert an ihre Familie

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    BÜCKEBURG (hb/m). Auf Initiative der Geschichtswerkstatt der Herderschule Bückeburg hat der Kölner Künstler Gunter Demnig seit 2005 jährlich Stolpersteine in der Stadt verlegt. Diese Stolpersteine sind allen Opfergruppen der NS-Zeit, wie Juden, politisch und kirchlich Verfolgten, Sinti und Roma, Zwangsarbeitern, Euthanasieopfern und Zeugen Jehovas gewidmet. Die Steine werden von Demnig an authentischen Orten verlegt, also dort, wo die verfolgten Menschen in Bückeburg gelebt und gewirkt haben.

    Gunter Demnig hat weitere zehn Stolpersteine in der Stadt verlegt.

    Bürgermeister Reiner Brombach im Gespräch mit Margot Kleinberger.

    Nach der Verlegung der Stolpersteine werden Rosen niedergelegt.

    FOTO 1: Gunter Demnig hat weitere zehn Stolpersteine in der Stadt verlegt.

    FOTO 2: Bürgermeister Reiner Brombach im Gespräch mit Margot Kleinberger

    FOTO 3: Nach der Verlegung der Stolpersteine wurden Rosen niedergelegt.

    Projektleiter Klaus Maiwald beglückwünschte Gunter Demnig zu Beginn der Arbeiten zu seiner wenige Tage zuvor in Berlin erhaltenen Auszeichnung "Botschafter für Demokratie und Toleranz". Demnig gebe mit seinen Steinen den Opfern des Nationalsozialismus ein Gesicht, hieß es während der von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und Justizministerin Brigitte Zypries vorgenommenen Ehrung. Maiwald dankte Bürgermeister Reiner Brombach dafür, dass die Stadt Bückeburg das Projekt von Anfang an unterstützt hat, übrigens als einzige im Landkreis Schaumburg.

    Demnig sprach in Bückeburg von insgesamt etwa 15.000 Stolpersteinen, die er an 338 Orten in Deutschland verlegt habe. Dazu kämen Anfragen aus dem europäischen Ausland, unter anderem aus Paris und Rom. Brombach rief dazu auf, "die Erinnerung an die fürchterlichen Folgen der Nazi-Herrschaft wach zu halten". Er lobte Klaus Maiwald, dem es immer wieder gelingt, "junge Schüler für die Geschichtswerkstatt zu begeistern", die dieses Projekt initiiert hat.

    Am Sonntag hat Demnig vier Stolpersteine für Leo und Frida Kreuzer sowie ihre Tochter Lucie Cahnfeld und ihren Ehemann Erich Cahnfeld an der Langen Straße 75 (heute Comet-Markt) verlegt; vier weitere Steine in der Braustraße 7 (heute Aldi) für die Kaufmannsfamilie Rosa, Hermann, Willy und Hilde Philippsohn sowie zwei Stolpersteine für Rosa und ihre Tochter Ida Bonwitt in der Sackstraße 16.

    Der Kaufmann Leo Kreuzer und seine Ehefrau Frieda haben an der Langen Straße 75 ein Manufakturwarengeschäft betrieben. Tochter Lucie hat das Haus in den dreißiger Jahren übernommen. 1936 hat sie den Vertreter Erich Cahnfeld geheiratet. Während der Ereignisse um den Novemberpogrom von 1938 wurde auch Erich Cahnfeld mit sieben anderen Juden der Stadt für kurze Zeit verhaftet. Das Ehepaar bereitete sich zum Verkauf des Hauses und zur Auswanderung vor. Das über 2.600 große Grundstück in guter Stadtlage hätte einen guten Verkaufspreis bringen müssen, doch letztendlich blieben gerade noch 9000 Mark übrig, um für die Ehepaare Kreuzer und Cahnfeld die Schiffspassage nach Uruguay zu bezahlen. "Es ist schön, dass wir nicht vergessen werden", meinte Zeitzeugin Margot Kleinberger, als sie unter Tränen aus dem Leben von "Onkel Leo" und ihrer Familie berichtete.

    Hermann und Willy Philippsohn, beide in Bückeburg geboren, haben in der Braustraße 7 eine "Darm-, Fleischereibedarfs- und Haargroßhandlung" betrieben. Die beiden Brüder wurden mit Hermanns Ehefrau Hilde ins Warschauer Ghetto deportiert, wo sie wahrscheinlich den Tod fanden. Die alte Mutter Rosa ist am 23. August 1943 im KZ Theresienstadt ums Leben gekommen.

    Rosa Bonwitt wohnte mit ihrer Tochter Ida in der Sackstraße 16, wo Ida einen Kaffeevertrieb führte. Im Zuge der Ereignisse um den 9. November 1938 verloren sie ihre Wohnung und Geschäft. 1942 wurden sie deportiert. Rosa Bonwitt wurde im KZ-Theresienstadt ermordet, ihre Tochter Ida in Auschwitz. Foto: hb/m

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