Anders als in der Samtgemeinde Rodenberg, wo das Projekt von der Lokalen Agenda 21 Gruppe Rodenberg angeschoben wurde, nehmen in der Samtgemeinde Nenndorf Politik und Verwaltung zunächst einmal das Heft in die Hand. Man solle sich bei der Entscheidungsfindung auf keinen Fall einem Zeitdruck unterwerfen, mahnte Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese zu Beginn der Ratssitzung im „Hofcafé Bruns” in Hohnhorst. Es seien ohnehin im Moment keine Anlagen mehr zu bekommen. Und auf keinen Fall solle sich die Samtgemeinde finanziell an einer Bürgersolaranlage beteiligen. Davon habe, so Reese weiter, der Landkreis abgeraten. Auch eine Rolle als Gesellschafter oder Teilhaber solle vermieden werden.
Die SPD-Fraktion stimmte dem vorliegenden abgeänderten Nutzungsvertrag zu. Schon vor drei Wochen hatte sie sich klar für den Vertrag ausgesprochen. Mit den Änderungen konnte sich jetzt auch die Gruppe CDU/Freie Wähler Hohnhorst/FDP identifizieren.
Lediglich die Wählergemeinschaft Nenndorf (WGN) stimmte gegen den Vertrag. Und nicht etwa, weil man gegen den Klimaschutz sei, stellte Sprecher Frank Steen ausdrücklich fest. Die WGN halte grundsätzlich nichts von Bürgersolaranlagen. Dies sei nicht mehr als ein Riesengeschäft für Investoren. „Die suchen landesweit Flächen, um ihre Geschäfte zu machen. Das ist alles eine Irreführung der Bevölkerung”, kritisierte Steen. Denn die Bürger hätten dafür über hohe Energiepreise zu zahlen.
„Etwas klimafreundlicheres als die Solarenergie gibt es nicht”, stellte der SPD-Fraktionssprecher Sigmar Sandmann dagegen heraus.
Auch die Bürger, die kein eigenes Dach zur Verfügung hätten, sollten die Möglichkeit erhalten, über Bürgersolaranlagen Umweltschutz zu betreiben. Nach Überarbeitung des Nutzungsvertrages soll zunächst nur die Sporthalle in Haste als Standort für eine Photovoltaik-Anlage zur Verfügung gestellt werden. Die Halle in Waltringhausen, die Berlin-Schule in Bad Nenndorf, der Kindergarten in Haste und die Hohnhorster Friedhofskapelle sind nach der Überarbeitung des Vertrages ausgeklammert worden.
Werner Bövers, Sprecher der Gruppe CDU/FWH/FDP warnte davor, bei allen Wünschen nach klimafreundlichen Energiequellen nicht das „Tafelsilber” der Samtgemeinde an irgendwelche Investoren zu „verscherbeln”. Er brachte die Möglichkeit ins Spiel, dass in der Samtgemeinde möglicherweise ein Eigenbedarf bei der Nutzung von Flächen vorliegen könnte. Mit einer Dachpacht von acht Euro pro Kilowatt Nennleistung läge man nach seiner Auffassung „in einem guten Bereich”.
Wann jetzt tatsächlich die ersten Solarmodule auf dem Dach der Haster Sporthalle installiert werden, ist noch nicht klar. Der Nutzungsvertrag sieht vor, dass die Solarpark Schaumburg 1 GdR für die Dauer von 20 Jahren das Dach der Halle nutzen darf.
Die Suche nach Gesellschaftern übernimmt jetzt Solarberater Horst Roch. Bis Ende September will der Ingenieur für das Dach eine Anlage planen und diese dann der Öffentlichkeit präsentieren. Mit dem Ziel, möglichst viele Gesellschafter für das Projekt zu finden.