Schaumburger Wochenblatt
  1. Die Distanz aufgeben

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    BAD NENNDORF (nb). Erinnern gegen das Vergessen: Zum 71. Jahrestag der Reichskristallnacht gedachten die örtliche jüdische Gemeinde und Vertreter der Samtgemeinde sowie der evangelischen Kirche der Opfer des nationalsozialistischen Verbrechens. "Es ist kaum vorstellbar, wozu Menschen damals im Stande waren", so der stellvertretende Stadtdirektor Heinrich Bremer zu den Grausamkeiten des Nazi-Regimes. Er rief zu einem Tag des besonderen Nachdenkens und Innehaltens auf und forderte, jeglichen neo-nationalsozialistischen Tendenzen geschlossen entgegen zu wirken. Bremer klammerte in seiner Ansprache auch die rechtsradikalen Aufmärsche in der Kurstadt nicht aus und sah sich dennoch in der Lage ein positives Fazit zu ziehen: Die Gegenveranstaltungen hätten unter Beweis gestellt, dass in Bad Nenndorf weder für links- noch rechtsradikale Aktivitäten Platz wäre. Nekrasova Jalowaja blickte mit ihren Worten im Namen der jüdischen Gemeinde zurück auf ein Stück deutsche Geschichte und die Geschehnisse am 9. November 1938, als jüdischen Mitmenschen ihr Hab und Gut gewaltsam genommen wurde. Der Ausruf "Nie wieder" werde nie an Wichtigkeit verlieren. Die Gesellschaft dürfe nicht zulassen, dass einige Wenige im Nachhinein die Geschichte verändern und die Schrecken der nationalsozialistischen Verbrechen so in Vergessenheit geraten. Doktor Jürgen Schönwitz, Pastor der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde, referierte zum Faktor "Distanz", denn die habe dazu geführt, dass Menschen sich nicht solidarisierten. "Wir sollten die Distanz dazu aufgeben", lautet sein Aufruf. Auch Medienkritik fand in seinen Ausführungen einen Platz. Schönwitz kritisierte die mangelnde Berichterstattung zum Jahrestag, der hinter der Wiedervereinigung zurücktrete, sehe in diesem doppelten Gedenktag jedoch ein Symbol für die Zerrissenheit der Menschen zwischen Freud und Leid. Das örtliche Gymnasium begleitete das Gedenken mit drei Chorälen, die der Veranstaltung einen angemessenen Rahmen verliehen. Zum Abschluss erwiesen die Teilnehmer der Regime-Opfer am Gedenkstein in der Kurhausstraße ihre Ehre und legten Kränze nieder. Foto: nb

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