Gewiss, ohne den „Sir”, den Hauptdarsteller, ist der Garderobier ein Nichts, ohne ihn aber bräche alles zusammen. So sind die beiden denn schicksalhaft aufeinander eingeschworen, miteinander verschweißt geradezu. Klar, so ein Stück, im Blick auf seine Originalität, kann nur ein Engländer bauen, Ronald Harwood heißt er, heute Mitte siebzig, hoch angesehen, vor allem nach seiner Produktion des Holcaust-Dramas „Der Pianist”.
Dass es im umfangreichen Programmheft auf dem Cover noch heißt: „Ein ungleiches Paar- oder „Der Garderobier”, im Innenteil aber: „Der Garderobier – oder Ein ungleiches Paar” liegt wohl daran, dass man nicht recht weiß, wo man den Untertitel unterbringen soll; Heißt es bei Harwood doch lediglich: „The Dresser”. Und das reicht auch, denn es fällt schwer, hier vom „ungleichen Paar” zu sprechen. Ist doch tatsächlich der eine nichts ohne den anderen. Und das in voller Breite ausgespielt zu sehen, macht den Abend besinnlich und vergnüglich.
Beginnen wir mit dem Garderobier, einem veritablen Factotum, zu Deutsch: Mach alles! Folker Bohnet zelebrierte ihn, ein Bündel von Ergebenheit, Nervosität und Einfühlungsvermögen, kurz: der Seelendoktor schlechthin. Den völlig ausrangierten, derangierten „Sir”, in der Tat kurz vor seinem Ableben, muss er mit List und Tücke, mit Zuspruch und massiven Drohungen auf die Beine bringen.
Klappriger sah man wohl nie einen Darsteller auf der Bühne stehen. Walter Ullrich war sich nicht zu schade, diesem ausgebrannten Etwas noch einen Rest von Leben einzuhauchen, entliehen den verzweifelten Animationsversuchen Normans, des Garderobiers. Bravourös zog Folker Bohnet alle Register der Überredungskunst, am Ende immer exorbitanter, zumal er seine Beine infolge diverser Schluck aus dem Flachmann kaum noch zu dirigieren wusste. In der Nebenrolle erscheint „Milady” (Michaela Klarwein), die Ehefrau des „Sir”. Sie dient der Aufhellung eines Daseins, das ein renommierter Schauspieler führt: Respektiert und hoch gewürdigt von der Welt, aber ein Fragment von Mensch lediglich im privaten Bereich.
Am Schluss sinkt der „Sir” in seinen Sessel, von der Aufführung erschöpft, und am Ende lebt er ab. Vorhang zu. Man spürt förmlich das Aufatmen, als Walter Ullrich, fast 80 Jahre alt, dann doch kerzengerade wieder erscheint, dankbar von einem dankbaren Publikum den Beifall entgegen nimmt und mit ihm, besonders beklatscht, Folker Bohnet. Ein gelungener Wurf der Landesbühne Rheinland-Pfalz, deren Intendant Walter Ullrich ist. Er führte hier ebenfalls Regie.