Dass diese Einsicht aber noch längst nicht für alle Eltern in Deutschland gelte, habe die Forsa-Studie zu Einstellungen von Eltern zu körperlichen Strafen zum Ausdruck gebracht, die im März dieses Jahres im Auftrag der Zeitschrift „Eltern” veröffentlicht wurde.
Zwar sei der Anteil der Eltern, die ihre Kinder aus Überzeugung körperlich bestrafen, im Vergleich zu früheren Studien leicht zurück gegangen, dennoch sei der Anteil der befragten Eltern, die ihrem Kind schon mehrmals einen Klaps auf den Po oder eine Ohrfeige gegeben haben, mit fast 40 Prozent noch erschreckend hoch. -
Außerdem seien Kinder auch indirekt als Zeugen häuslicher Gewalt von verbalen und tätlichen Auseinandersetzungen in der Familie betroffen. Die Fälle von häuslicher Gewalt hätten auch im Landkreis Schaumburg zugenommen, berichtet das Team der Beratungsstelle BISS, Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt, in Stadthagen.
Im Jahr 2010 seien insgesamt 201 Fälle häuslicher Gewalt im Landkreis Schaumburg aktenkundig geworden, im ersten Halbjahr 2011 bereits wieder fast 100. In über 90 Prozent der Fälle seien die Opfer Frauen.
Nicht zuletzt mit Blick auf diese Zahlen erläutert Georgia Hasse, erste Vorsitzende des Kinderschutzbundes Schaumburg, den Ansatz des Vereins: „Wir unterstützen Eltern, die nach Wegen suchen, in der Familie und mit ihren Kindern gewaltfrei umzugehen.” Petra Rabbe-Hartinger, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Rinteln, verweist auf Erfahrungen der Rintelner Aktiven in der Zusammenarbeit mit Eltern: „Wer Kinder schützen will, muss Eltern stützen. Dazu ist eine respektvolle Haltung den Eltern gegenüber notwendig, die wertschätzt, was die Eltern bereits tun oder was sie sich für ihre Kinder wünschen.”
Der Tag der gewaltfreien Erziehung, zu dem der Deutsche Kinderschutzbund erstmals 2004 aufgerufen hatte, soll Eltern stärken, ihr Ideal einer gewaltfreien Erziehung Wirklichkeit werden zu lassen sowie daran erinnern, dass die gesamte Gesellschaft die Verantwortung für ein gewaltfreies Aufwachsen aller Kinder trage.
Viel Aufklärungsarbeit sei noch zu leisten, bevor es überall bekannt werde: „Körperstrafen sind wie viele andere entwürdigende Erziehungsmaßnahmen aus pädagogischer Sicht unsinnig und helfen nicht.” Strafen zeigten nicht, was das erwünschte positive Verhalten sei, weckten lediglich Trotz und Widerstand. Vor allem lernten Kinder auf diese Weise, dass Stärkere gegenüber Schwächeren Gewalt anwenden dürften und dass Gewalt ein Mittel sei, Konflikte zu „lösen”.
Die im Kinderschutzbund Engagierten wissen, dass die allermeisten Eltern nicht aus Überzeugung schlagen und bestrafen, sondern aus Situationen der Überforderung oder des Allein-Gelassen-Seins heraus. Ziel der Aktivitäten des Kinderschutzbundes sei es daher, Eltern in ihren guten Erziehungsabsichten und gewaltfreien Idealen zu stärken und sie durch Informationen, Kurse und konkrete Entlastung im Umgang mit ihren Kindern zu unterstützen. -
Mit vielfältigen Angeboten und Projekten setzt sich der Kinderschutzbund Schaumburg vor Ort für die Unterstützung von Eltern sowie für Anleitung in Erziehungsfragen ein. Neben der allgemeinen Beratung im Familienzentrum in Stadthagen und Vorträgen zu Erziehungsfragen begleiten qualifizierte Familienbesucherinnen beispielweise in der Projekten „Schritt für Schritt”, „Opstapje” und „Baby im Mittelpunkt” Eltern mit Kleinkindern durch wöchentliche Besuche und zeigen ihnen, wie sie altersangemessen mit ihren Kindern spielen können. In Elternkursen unter dem Motto „Starke Eltern - Starke Kinder” finden Eltern außerdem Antworten und Anregungen zu Erziehungsfragen im Familienalltag.
Auch der Rintelner Kinderschutzbund bietet seit Jahren Elternkurse und Eltern-Kind-Treffs an. Daneben gibt es eine kostenlose und vertrauliche Familienberatung mit lösungsorientiertem Ansatz, die auf Wunsch der Eltern auch zu Hause stattfinden kann.
Außerdem sucht und qualifiziert eine Fachkraft ehrenamtliche Familienpaten, die Eltern mit kleinen Kindern durch wöchentliche Besuche im Alltag entlasten. Damit soll verhindert werden, dass Eltern und Alleinerziehende aus Überlastung ihren Kindern gegenüber handgreiflich werden. Und gerade junge Eltern sollen am Modell lernen können, wie man respektvoll mit Kindern umgehen kann.