Schaumburger Wochenblatt
  1. Exotische Tierfunde häufen sich

    Schmuckschildkröte wird vor Tierheim entdeckt / Artgerechte Haltung ist nicht möglich / Stummes Tierleiden

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    BAD NENNDORF (jl). Da haben die zwei Riesenkaninchen Hugo und Horst sicher nicht schlecht gestaunt, als ihre neuen Nachbarn in die Tierauffangstation Bad Nenndorf einzogen, wenn auch nur kurzweilig. Statt flauschigem Fell hatten sie einen harten Panzer. "Tierschutz hört nicht bei Hunden, Katzen und Nagern auf", sagt Jutta Schneider, Vorsitzende des Tierschutzvereins Rodenberg, Bad Nenndorf und Umgegend. In ihren Händen: eine stattliche Gelbbauch-Schmuckschildkröte. Eine Mitarbeiterin habe das kuchentellergroße Tier vor den Toren der Einrichtung aufgelesen, wohin es sich wohl kaum verlaufen haben dürfte. "Das finde ich schon harten Tobak", ist das einzige, was Schneider dazu einfällt. Während Katzen noch mit einem Mauzen und Hunde mit Bellen auf sich aufmerksam machen könnten, seien diese typischen Wasserschildkröten einem "stummen Leiden" ausgesetzt, seufzt Schneider, die 1995 das erste Mal mit diesen Exoten konfrontiert worden ist. Nach vereinzelten Fällen und zuletzt jahrelanger Ruhe häufen sich in diesem Jahr wieder die Fundfälle. Die jetzt vermutlich ausgesetzte Schmuckschildkröte ist bereits die dritte, die die Tierschützer in den vergangenen Monaten in ihre Obhut nehmen und an die Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen übergeben mussten. Das gleiche Schicksal ist kürzlich einer in der Schmiedestraße gefundenen Vierzehenschildkröte widerfahren. Diese Landschildkröte untersteht seit 1975 dem Artenschutzabkommen. Heißt: Sie darf nur als Nachzucht und nur mit einem Herkunftsnachweis den Besitzer wechseln. Zudem ist sie bei der örtlich zuständigen Artenschutzbehörde meldepflichtig. Schneider macht keinen Hehl daraus, dass ihr das Verständnis fehlt, sich solche Exoten als Haustiere anzuschaffen: "Diese Tiere kann man nicht artgerecht, höchsten tiergerecht halten, weil sie in unseren heimischen Gefilden nichts zu suchen haben." Es brauche sehr viel Know-how in Sachen Ernährung, große Terrarien sowie einen immensen Arbeitsaufwand oder - im Falle der Schmuckschildkröte - ausbruchsichere tiefe Teichanlagen, in denen die Tiere im Schlamm überwintern können. Allerdings würden gerade die aus Südamerika stammenden Schmuckschildkröten als Allesfresser der heimischen Flora und Fauna schaden, so Schneider. Unüberlegten Anschaffungen über das Internet folge oft eine Überforderung und nicht selten das Aussetzen der Tiere. "Es müsste verboten sein, dass die Tiere frei gehandelt werden", fordert die Tierschützerin. Eine Würgeschlange in der Abstellkammer, ein entflogener Papageien oder ein entlaufener Nasenbär hier in der Region - Schneider zuckt mit den Achseln: "Es gibt auch im Tierschutz nichts, was es nicht gibt." Foto: jl

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