Schaumburger Wochenblatt
  1. Ex-Hundehalterin droht Gassigängerin

    Tierschutz erstattet Anzeige: "Was wir hier erleben, ist nicht einfach"

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    BAD NENNDORF (jl). Einer Frau wird von Amtswegen der Hund entzogen. Sie erhält ein Tierhalteverbot, ihr Kangal-Mischling landet im Tierheim. Zehn Jahre später lauert sie einer Gassigängerin auf und sagt: Hätte sie eine Pistole, würde sie sie damit bedrohen, bekomme sie den Vierbeiner nicht wieder, gehe sie zur Bildzeitung. Sie versucht sie zu bestechen, den Hund gegen Geld laufen zu lassen. Das klingt skurril, hat sich aber genauso in der Nähe der hiesigen Tierauffangstation ereignet. Das Kuriose: Es ist nicht das erste Mal, dass die Ex-Besitzerin alles daran setzt ihren Hund zurückzubekommen. Aber von vorne. Diego kam mit drei weiteren Hunden im Frühjahr 2011 nach einer Sicherstellung ins Tierheim Bad Nenndorf. Während seine Artgenossen schnell vermittelt werden konnten, sei der Kangal-Mix, ein großer und kräftiger Hirtenhund, wegen seines Wesens nicht leicht zu handeln, wie die Vereinsvorsitzende Jutta Schneider weiß: "So einen Hund muss man führen und halten können, der geht über 1,50 Meter hohe Zäune." Im November desselben Jahres interessierte sich ein Mann aus Porta Westfalica für den mittlerweile vierjährigen Hund, der nach einer erfolgreichen Vorkontrolle auch zu ihm vermittelt wurde. Schneiders ungutes Bauchgefühl sollte sie nicht täuschen: Es war der Lebensgefährte der ehemaligen Besitzerin. Diego aus seinem "neuen" alten Zuhause herauszuholen war nicht möglich. Ein Jahr später wurde der Rüde jedoch erneut eingezogen, weil er ständig über den Zaun gesprungen war und Passanten gestellt, also nicht mehr vorbei gelassen hatte. Der Herdenschutzhund landete wieder im Tierheim - und sein Ex-Frauchen gab keine Ruhe. "Die Frau hat in den Jahren mit sämtlichen Tricks versucht, Diego hier herauszuholen", zuckt Schneider mit den Achseln. Sie habe unter falschem Namen angerufen, Geld geboten und erst im Vorjahr die Züchterin gedrängt, Diego gegen Bares zurückzuholen. "Dass jetzt sogar Gassigänger bedroht werden, schlägt dem Fass den Boden aus", ärgert sich die Vereinschefin - zumal man über jeden Ehrenamtlichen froh sei, der für die Spaziergänge eigens die Sachkunde erbringt.. "Das ist dann schon erschreckend und zeigt auch, mit was für Menschen wir es zu tun haben." Laut Schneider ist dies auch kein Einzelfall, gebe es doch immer wieder Bedrohungen am Telefon. "Tierschutz ist mehr als nur Tiere aufnehmen und versorgen", so Schneider. "Was wir hier erleben, ist nicht einfach. Das geht auch an die Psyche." Entmutigen lassen will sich das Team aber nicht. Diego wird nicht mehr vermittelt, bleibt mit seinen zwölf Jahren im Tierheim, wo er seine Aufgabe und eigene Hütte hat. Eine Anzeige gegen die Ex-Halterin ist bereits erstattet. Foto: jl

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