Schaumburger Wochenblatt
  1. Feuerwehrhäuser sowie Fahrzeuge werden gereinigt und Wehren außer Dienst gestellt

    Info-Veranstaltung zu Asbestaustritt: Kritik an Vorgehen nach Großbrand / Über einhundert Veranstaltungsgäste

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    STADTHAGEN/LANDKREIS (bb). Mit einer Vielzahl von kritischen Fragen und Kommentaren haben Feuerwehrangehörige und Anwohner bei einer Informationsveranstaltung von Stadt Stadthagen, Landkreis und Vertretern der Feuerwehr am Montag Unsicherheit und Unmut über den Umgang mit dem Großbrand auf dem Georgschachtgelände zum Ausdruck gebracht. Bei Untersuchungen waren im Nachgang zwei Asbestanhaftungen festgestellt worden (wie berichtet). Bürgermeister Oliver Theiß sagte im Laufe des Abends im Ratskellersaal zu, Feuerwehrhäuser und Fahrzeuge durch Spezialunternehmen reinigen zu lassen, die Wehren werden außer Dienst gestellt. "Maßnahmen nicht konsequent durchgeführt": "Die nötigen Maßnahmen wurden insgesamt nicht konsequent durchgeführt", kritisierte Christian Fischer, Ortsbrandmeister der Feuerwehr Enzen, der sich kurz vor Schluss der Veranstaltung zu Wort meldete. Die eingesetzten Wehren hätten nicht einheitlich gehandelt in Bezug auf den Verdacht einer Asbestkontamination, es seien "eklatante Fehler" passiert. Informationen würden "scheibchenweise" herausgegeben. Eine Veranstaltung wie diese oder eine Form der gründlichen Absprache hätte nicht rund drei Wochen nach dem Brand sondern früher erfolgen müssen. Der Einsatz müsse insgesamt gründlich ausgewertet werden, so Fischer unter dem Applaus der Mehrzahl der rund 110 Veranstaltungsgäste. Zahlreiche kritische Beiträge: Vorausgegangen war eine etwa zweistündige Diskussion, geprägt durch viele kritische Einschätzungen aus Reihen der Zuhörer, überwiegend Feuerwehrleute aus Stadthagen und den Ortsteilen aber auch weiterer beim Brand der Hallen von "PreZero" auf dem Georgschacht eingesetzten Wehren. Darin brachten die Sprecher zum Ausdruck, dass eine Reinigung von Einsatzkleidung, Fahrzeugen und Ausrüstung aus ihrer Sicht nicht ausreichend erfolgt sei. Entsprechend könne eine Verschleppung von Asbestfasern in die Feuerwehrhäuser in Stadthagen nicht ausgeschlossen werden. Messungen und Reinigungen durch Spezialfirmen seien erforderlich. In der von Bürgermeister Oliver Theiß geleiteten Veranstaltung hatte zunächst Doktor Burkhard Milde, Betriebsarzt, zum Thema Asbest gesprochen (nebenstehend). Es folgten Ausführungen von Benjamin Heine, Leiter der Umweltschutzeinheit der Kreisfeuerwehr. Heine hatte erklärt, dass die Einheit mit der ihr zur Verfügung stehenden Technik einen akuten Asbestaustritt nicht feststellen könne. Allerdings seien zehn Proben im Umfeld, in der in der Brandnacht vorherrschenden Windrichtung West genommen worden. An lediglich einer, entnommen an einem Gastank in unmittelbarer Nähe der niedergebrannten Halle habe das mit der Untersuchung beauftragte Labor Asbestfasern feststellen können. Hinzu sei die von der Stadt eingesandte Jacke gekommen, an der Asbestfasern festgestellt wurden (wie berichtet). Weil Asbest lediglich im unmittelbaren Umfeld der Halle festgestellt worden sei, gehe man davon aus, dass eine weitergehende Verbreitung nicht stattgefunden habe, so Heine. Bei den Proben weiter in westlicher Richtung sei schließlich nichts festgestellt worden. Kleidung und Ausrüstung von 32 Brandbekämpfern, die im Umfeld der Halle und in den Körben von Hubrettungsbühnen und Drehleitern unter Atemschutz gegen das Feuer vorgingen, seien in der von der Einheit aufgebauten Dekontaminationsstation gereinigt worden. Oliver Theiß und Heine erklärten, dass die Probe am Gastank eine sehr niedrige Asbestkonzentration aufgewiesen habe. "Uns sind Teile auf die Helme gerieselt": Die Ausführungen zerstreuten offenbar nicht die Bedenken unter den Zuhörern. Eine Vielzahl von Nachfragen und Einschätzungen folgten. "Uns sind Teile auf die Helme gerieselt", erklärte etwa ein Feuerwehrangehörige aus dem Publikum. Als das vermutlich Asbest enthaltende Dach durchgezündet sei, sei viel Material niedergegangen, die Fahrzeuge hätten wegen der großen Hitzeentwicklung rasch weggefahren werden müssen. Fragen aus der Zuhörerschaft kamen auf, warum nicht weitere der in der Brandnacht aktive rund 300 Einsatzkräfte dekontaminiert worden seien. Die Mehrzahl der Proben sei erst am Freitag genommen worden (Brandabend, Mittwoch, 23. Oktober), habe bis dahin nicht längst eine Verdünnung stattfinden können? Aus den Schilderungen von Teilnehmern ging hervor, dass diese eine Verschleppung über die Einsatzkleidung in die Feuerwehrhäuser und Fahrzeuge sehr wohl für möglich hielten. Die Anwohnerinnen Kathrin Thiele und Rosa Mumme fragten, ob die Nachbarschaft nicht ebenfalls betroffen sein könnte. Die Wohnhäuser würden zwar in östlicher Richtung liegen, der Wind habe sich in den folgenden Tagen jedoch gedreht. Theiß und Heine erklärte, dass die großen Mengen von Löschwasser vermutlich viele Teile niedergeschlagen und gebunden und so eine Ausbreitung verhindert hätten. Sicherlich sei rund um den Einsatz nicht alles optimal gelaufen, hielt Theiß fest. Das müsse aufgearbeitet werden und für die Zukunft daraus Lehren gezogen werden. Ortsbrandmeister Rainer Pflugradt erklärte, dass entsprechende Reinigungen in Feuerwehrhäusern durch legitimierte Firmen vorgenommen werden müssten. Dies rege er an. Fabian Bartels, aus Reihen von 14 Zugführern, Gruppenführern und deren Stellvertretern der Ortsfeuerwehr Stadthagen zum Sprecher ernannt, erklärte, dass aus ihrem Kreis eine Reihe von Fragen an den Bürgermeister formuliert worden seien. In dem Schriftstück wurden auf Gefahren der Kreuzkontamination hingewiesen, weil eine komplette, zeitgleiche Dekontamination versäumt worden sei. Warum sei nicht eine Außer-Dienststellung der Feuerwehren erfolgt, um das Gerätehaus durch eine Spezialfirma reinigen zu lassen? Feuerwehr wird außer Dienst gestellt: Theiß sagte im Verlauf der Veranstaltung eine Reinigung von Feuerwehrhäusern und Fahrzeugen durch entsprechende Unternehmen zu. In einem Gespräch im Nachgang der Veranstaltung wurde das weitere Vorgehen geklärt. Zunächst sollen in den Feuerwehrhäusern der Stadthäger Wehren Proben genommen werden. Anschließend soll eine Reinigung von Quartieren und Fahrzeugen durch Spezialfirmen erfolgen. Für die Zeit der Beprobung werden die Wehren außer Dienst gestellt. Über einen Notfallplan wird der Brandschutz sichergestellt, wie Theiß am gestrigen Dienstag informierte. Foto: bb

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