Mehrere Hundert Gäste sind der Einladung des Landkreises gefolgt, um sich bei der Schaumburger Begegnung in der Landfrauenschule Bückeburg untereinander auszutauschen. Schwerpunkt in diesem Jahr war der Abschied von Landrat Jörg Farr, unter anderem Ministerpräsident Olaf Lies hob in seiner Lobrede Farrs Fähigkeiten als Brückenbauer hervor.
Amtsnachfolgerin Andrea Stüdemann führte in den Abend ein, indem sie betonte, dass Farr stets Kompromisse gesucht habe und die Fähigkeit besitze, Menschen zusammenzuführen. „Gerade im Vier-Augen-Gespräch läufst du zur Hochform auf“, so Stüdemann. Nicht selten habe sie folgendes Phänomen erlebt: Selbst, wenn Mitarbeiter der Landkreisverwaltung in Stimmung „auf 180“ in Farrs Büro gestürmt seien, hätten einige Minuten Gesprächszeit zu einer Beruhigung geführt, so dass das Teammitglied anschließend wieder „fröhlich pfeifend“ auf den Flur hinausgetreten sei. Sie habe die Zusammenarbeit stets als wertvoll empfunden, zu Farrs außerordentlich schneller Auffassungsgabe komme viel Empathie und „ein großes Herz“.
Der Land-, und Kreistagsabgeordnete sowie stellvertretende Landrat Jan-Philipp Beck erinnerte daran, dass Farr als echtes „Eigengewächs des Landkreises“ Verwaltung von der Pike auf gelernt habe. Nach der Wahl zum Landrat sei der Wahl zum Landrat die politische Bühne etwas Neues für den Verwaltungsfachmann gewesen. In seiner rund 15-jährigen Amtszeit hätten Krisen wie die Pandemie oder die Flüchtlingssituation überwunden werden müssen. Die Modernisierung der Krankenhausstruktur sei fortgeführt, die Wirtschaft im Strukturwandel unterstützt worden. In diesen und vielen weiteren Tätigkeitsfeldern habe sich Farr stets durch Fleiß und tiefes Fachwissen ausgezeichnet. Dabei sei er stets Brückenbauer gewesen, dessen Ziel es gewesen sei, „alle mitzunehmen“. Folge seiner überparteilichen Amtsführung sei es gewesen, dass bei seiner Wiederwahl 2018 kein Gegenkandidat aufgestellt wurde.
Der Ministerpräsident Niedersachsens Olaf Lies betonte, Farr sei nie der Landratstitel wichtig gewesen, sondern die Aufgabe. Heute sei ihm Dank zu sagen für insgesamt 46 Jahre Dienstzeit. Farr sei tief verwurzelt im Landkreis, „die große weite Welt, das war für dich immer Schaumburg“, so Lies zum scheidenden Landrat. Auf die Herausforderungen des Strukturwandels habe Farr nie mit Resignation, sondern stets mit Zuversicht reagiert. So habe er den Landkreis moderner, leistungsfähiger und lebenswerter gemacht.
Wie die große Zahl der kommunalpolitisch Aktiven habe Farr großes Engagement und Pflichtbewusstsein gezeigt. Grundsätzlich gelte es, der kommunalen Selbstverwaltung wieder mehr Verantwortung zukommen zu lassen. Es brauche in einer Zeit sich überlappender Krisen starke Kommunen, die den Menschen vor Ort Sicherheit geben könnten. Heute würden Diskussionen oft schrill und laut geführt, das Wirken von Akteuren wie Farr, die Perspektiven sehen, Chancen suchen und Menschen zusammenführen, statt zu spalten, seien vor diesem Hintergrund umso wertvoller. Ihm sei Dank für seinen Einsatz zu sagen, aber auch für „seine Haltung und Menschlichkeit“.
Farr erklärte, heute komme doch etwas zu viel des Lobes auf ihn zu. „Ich hoffe aber, meine Kinder haben es trotzdem gehört“, fügte er lächelnd hinzu. Trotz aller Krisen sei es in seiner Amtszeit im Zusammenwirken zahlreicher Akteure gelungen, viel Zukunftsweisendes auf den Weg zu bringen wie den flächendeckenden Breitbandausbau, die Energieagentur, den stetigen Schulausbau oder die erfolgreiche Kommunalisierung des Jobcenters habe sich voll bewehrt. Große Stärke des Landkreises sei, dass hier das Zusammenwirken gesucht und nicht gegeneinander gearbeitet werde.