Berichte von versuchten und erfolgreichen Betrugsmaschen im Bereich Internet-Kriminalität häufen sich in den vergangenen Monaten wieder. Dabei gehen die Täter mit Raffinesse, Unverfrorenheit und psychologischem Druck vor, wie die Schilderung eines Schaumburgers klar macht, der von solchen Verbrechern übers Ohr gehauen wurde.
Der Computer-Betrug habe zu einem Verlust von rund 5.000 Euro geführt, wie der Geschädigte erklärte, der im Landkreis Schaumburg lebt. Name und Wohnort sind der Redaktion bekannt. Aus Scham wünscht der Geschädigte jedoch, dass dieser nicht in der Zeitung genannt wird. So wird er in diesem Bericht Herr P genannt. P hatte sich selbst an die Redaktion gewandt, um möglicherweise andere Bürger vor ähnlichem Schaden zu bewahren. „Vielleicht hilft es ja, den einen oder anderen zu warnen, damit er nicht in dieselbe Falle tappt, wie ich es blöderweise getan habe“, so der Geschädigte selbst.
P berichtete, dass an einem Tag im Januar der Bildschirm seines Laptops „einfror“ und ein Zugriff nicht mehr möglich war. Auf dem „eingefrorenen Bildschirm“ sei eine Warnung erschienen, scheinbar eine Warnmeldung der Microsoft-Software. Diese gab vor, dass ein Hacker-Angriff erfolgt sei. Ergänzt um eine Support-Telefonnummer, die zum Anruf, vermeintlich bei Microsoft-Beratern aufforderte. P rief diese Nummer mit dem Handy an, die ihm jedoch keine Hilfe brachte, sondern zum Kontakt mit den Internetverbrechern führte.
Das Landeskriminalamt Niedersachsen berichtet auf seinem Web-Auftritt, dass hier eine größere Organisation aus dem Ausland heraus mit erheblichem Aufwand operiere, um an das Geld von Bürgern zu kommen. Dabei variiere sie ihr Vorgehen immer wieder.
P erreichte einen Gesprächspartner mit Akzent (indisch oder pakistanisch), der behauptete, dass auf den Computer möglicherweise über E-Mails Schadsoftware gelangt sei. Der betrügerische Gesprächspartner fragte nach einer Festnetznummer. Wie angekündigt wurde P kurze Zeit später mit unterdrückter Nummer auf dem Festnetz angerufen. Ein neuer Anrufer führte nun das Gespräch, fragte nach den E-Mail-Kontakten und forderte schließlich auf, einen Remote-Zugriff auf den Computer zuzulassen. P kam dieser Aufforderung nach. Nun zeigte der Betrüger angebliche Fehlermeldungen, die auf Hackerangriffe und Viren hinzudeuten schienen. Unter anderem auch Meldungen, welche Online-Banking-Software betrafen.
Der Verbrecher gab vor, es seien bereits Abbuchungen erfolgt. Unter dem Vorwand, diese rückgängig zu machen, brachte er P dazu, sich in sein Online-Banking-System einzuloggen. Scheinbar unterstützte er P dabei, „Transaktionen zu blockieren“. Er brachte ihn jedoch dazu, „Dummy-Überweisungsaufträge“ freizugeben. „Auf dem PC war auch keine Veränderung des Kontostandes zu sehen, was mich zunächst beruhigte“, so P. Erstmals misstrauisch wurde er bei einem Blick auf die Banking-App seines Handys, weil hier auffällige Veränderungen des Kontostandes ins Negative angezeigt wurden. Als der Anrufer P aufforderte, dass Tagesüberweisungslimit eines Kontos zu ändern, sei er erstmals „richtig misstrauisch“ geworden und habe sich geweigert, diese zu tun. Der Anrufer forderte P mehrmals, in immer dringenderen Tonfall auf, dieses zu tun. Schließlich habe der Verbrecher gesagt, P solle zehn Minuten warten, den PC dann ausschalten. Auf Nachfragen Ps nach dem Sinn der Maßnahme, wurde die Verbindung unterbrochen. P deaktivierte den Remote-Zugriff und schaltete den Computer aus. Anschließend rief er sofort seine Banken an, die alle Konten und das Online-Banking sperren ließen.
„Ich hätte viel früher misstrauisch werden müssen“, so P heute. Normalerweise rufe er bei Aufforderungen zur Kontaktaufnahme auch die im Briefwechsel angegebene Nummer beispielsweise einer Bank an. Einmal im Gespräch, verständen es die Täter erheblichen psychologischen Druck aufzubauen und Notwendigkeit zur Eile zu vorzugeben. Rund 5.000 Euro ergaunerten die Verbrecher in diesem Fall.
Das Landeskriminalamt klärt unter www.polizei-praevention.de über die hier angewandte, ähnliche und weitere Betrugsmaschen auf. Zum Teil werden die Nutzer direkt aktiv angerufen. Auch Microsoft zeigt auf https://support.microsoft.com/de die Gefahren auf.
Die Polizei wie das Unternehmen unterstreichen, dass Microsoft keine Windows-Nutzer unerwünscht anruft oder diese mittels eingefrorenen Bildschirmes/Bildschirmmeldung oder Webseitenmeldung zu einem Anruf auffordert. Fehler- und Warnmeldungen von Windows enthalten niemals Telefonnummern. Nummern in solchen aufploppenden Warnungen sollten so auch nicht angerufen werden. Eine Reihe von weiteren Tipps werden gegeben, auch, wenn Nutzer die Täter bereits auf ihren Computer gelassen haben.
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