Wie kann es auch anders sein!
Kaum hat Christof Flamm seinem Eros Genüge getan, degradiert er die süße Rose zur „stupiden Gans”, nur weil sich erste Bedenken regen. Hermann Große-Berg meistert den Protz, meistert aber auch den Betroffenen sowie den Heuchler und bedenkenlosen Agitator. Leichter dagegen hat es Raik Singer.
Er muss sich damit begnügen, des weitgehend durchsexten Typen zu liefern, den er dann auch vor allem gegen den August Keil ausspielt. Er ist der vom Pietismus gezeichnete Verlobte von Rose, verklemmt und eben etwas zurückgeblieben. Nuancenreich entfaltet Jochen Ganser die Hilflosigkeit der an den Rand gedrängten Kreatur, die dennoch nicht aufgibt und bereit ist, mit Rose durch Dick und Dünn zu gehen. Schließlich Frau Flamm, an den Rollstuhl gefesselt, aber gerade dadurch nicht verhärtet und verhärmt, sondern voller Verständnis für Rose und ohne Verachtung für ihren Mann, über den sie alles zu wissen bekommt. Hergard Engert entwickelt aus der Enge des Stuhls heraus eine enorme Reichweite ihrer Regungen, die besonders durch die Deutlichkeit ihrer Sprache beim Zuhörer unter die Haut gehen. Bewundernswert das Geschick, mit dem sie ihr Mobil zu hantieren weiß.
Für die Inszenierung zeichnet Sylvia Richter. Die „ebene fruchtbare Landschaft”, wie Hauptmann sie möchte, wird vorgestellt durch eine Masse von Matratzen unter einem blühenden Weißdornbaum. Damit ist den Assoziationen der Zuschauer hinreichend Raum gegeben.. Das Publikum hielt gebannt durch bis zum Ende, betroffen schweigend, um dann umso ehrerbietiger gebührenden Beifall zu entrichten.