Schaumburger Wochenblatt
  1. Toter bei Bauerngut-Brand

    Feuer in der Pökelei gegen 3 Uhr am Freitag / 180 Feuerwehrkräfte im Einsatz / Brandursache unklar

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    BÜCKEBURG (hb/m). Gegen 3.30 Uhr wurde am Freitagmorgen die Leitstelle der Feuerwehr alarmiert. Bei Bauerngut, dem fleisch- und wurstherstellenden Betrieb im Industriegebiet Hasengarten, war in einer Produktionshalle auf einer Fläche von etwa 80 mal 40 Meter ein Feuer ausgebrochen. Einer der etwa 50 Arbeiter konnte sich nicht mehr ins Freie retten. Der polnische Leiharbeiter konnte von der Feuerwehr nur noch tot geborgen werden.

    Brandentdecker ist ein Mitarbeiter aus der Pökelei/Räucherei gewesen, der plötzlich starken Qualm aus den Raucherzeugern wahrgenommen hat. Als der Arbeiter den separaten Raum öffnete, schlugen ihm bereits Flammen entgegen. Der Mann alarmierte sofort seine Kollegen, das Werk wurde evakuiert.

    Als Polizei und Feuerwehr vor Ort eintrafen, hatten sich die Mitarbeiter vor dem Haupttor versammelt. Die Anwesenheitskontrolle der jeweiligen Kolonnenführer hatte nach Auskunft der Polizei ergeben, dass sich keine Personen mehr im Gebäudekomplex befänden. Erst gegen 6.30 Uhr meldete ein Mitarbeiter seinen Kollegen als vermisst. Bei der sofort eingeleiteten Suche wurde der Vermisste "im Gang zwischen zwei Arbeitsbereichen" gefunden. Die Todesursache ist vermutlich eine Kohlenmonoxidvergiftung. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Bückeburg wird die Obduktion des Leichnams durchgeführt, um die genaue Todesursache festzustellen.

    Einsatzleiter Dirk Hahne berichtete von einem starken Brand, der nach einiger Zeit ohne Sauerstoff, zu einer erheblichen Ruß- und Qualmentwicklung geführt habe und durch Flure und Gebäudeteile gezogen sei.

    Die Hitze war beim Eintreffen der Feuerwehr so groß, dass sich die Brandschutztüren verzogen hatten und nicht mehr öffnen ließen. Die Feuerwehr – es waren 180 Feuerwehrleute aller Ortsfeuerwehren der Stadt, ergänzt durch eine Umweltschutzeinheit der Landkreis-Feuerwehr im Einsatz – ging von mehreren Seiten in das Gebäude. Die etwa 60 Atemschutzgeräteträger mussten immer wieder nach kurzer Zeit ausgewechselt werden.

    Problematisch sei laut Hahne die mit Ammoniak betriebene Kühlanlage gewesen. Man habe befürchten müssen, dass Ammoniak austritt. Ein weiteres Problem habe sich aus der Bauweise des Gebäudes ("Sandwich-Paneelen") ergeben. Es gebe viele aufgeschäumte Materialien, deren Rückstände zum Teil verbrannt seien. Das Gebäude sei deshalb wegen möglicher Vergiftungsgefahren gesperrt worden. Vorsorglich habe man die Bevölkerung über Rundfunk gewarnt, sich nicht im Freien aufzuhalten und die Türen und Fenster geschlossen zu halten. Gegen 6.10 Uhr war das Feuer aus. Aufgrund der Rauchentwicklung musste die B 83 bis 6.30 Uhr gesperrt werden.

    Dirk Schlüter, Sprecher der Geschäftsleitung von Edeka Minden-Hannover, nannte die Ursache des Brandes "unerklärlich". Am schlimmsten sei es, dass ein Toter zu beklagen ist. "Er muss einen falschen Fluchtweg genommen haben", glaubt Schlüter aufgrund des Fundortes der Leiche. Auch Polizeisprecherin Gabriela Mielke glaubt, "dass aufgrund der extremen Rauchentwicklung und Verqualmung der Räumlichkeiten der polnische Arbeiter vermutlich die Orientierung verloren hat und nicht mehr rechtzeitig nach draußen flüchten konnte." Die Brandursache war bei Redaktionsschluss noch unklar. Foto: hb/m

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