Im Gegensatz zu vielen anderen Gebieten und Städten ist Novoplotsk eine junge Stadt, die erst vor 50 Jahren erbaut wurde. Mit der deutschen Klischeevorstellung des ärmlichen Dorflebens habe diese Region, so Heller, wenig zu tun. Städtebaulich betrachtet wurden bei der Errichtung von Novopolotsk Wohngebiete entlang einer einzigen großen Hauptstraße, der „Molodeshnaja”, angelegt, die sich auch aktuell noch in der Verlängerung befindet. Das Flächennutzungskonzept wurden nach modernsten architektonischen Erkenntnissen entwickelt. 110.000 Einwohner leben zur Zeit in den städtischen Siedlungen, die entstanden, um den Strömen der Abwanderer aus den ländlichen Gebieten Herr werden zu können. Seit einiger Zeit stehen neben staatlichen Einkaufszentren auch private Supermärkte zur Verfügung, die über ein „westliches” Warenangebot verfügen. Für die meisten Einwohner bleibt dies aufgrund der hohen Preise jedoch unerschwinglich.
Doch der Fortschritt kommt. Einen Großteil der Führungspositionen bekleiden dort mittlerweile Frauen, besonders in Politik und Medienlandschaft befinden sie sich auf dem Vormarsch. Heller besuchte während seines Aufenthaltes einige offizielle Institutionen, sowohl die Redaktion der ansässigen Lokalzeitung „Neue Zeitung”, als auch der Besuch der städtischen „Milizia”, der weißrussischen Polizei, gehörten dabei zu seiner „Stadttour”. Milizia Major Jurij Penjas zeigte dabei, dass ihm nicht nur Hannover, sondern auch die hiesige Sportlandschaft ein Begriff ist: „Da gibt es doch „96”, nicht wahr?”, war laut Heller seine erste Reaktion. Die kulturellen Welten zwischen Weißrussland und Deutschland scheinen kleiner, als gemeinhin angenommen.
Auch das Rathaus empfing ihn als inoffiziellen „Botschafter Bad Nenndorfs” durch die stellvertretende Bürgermeisterin und Sozial-Dezernentin Lydya Afahasjeva. Heller hat es sich nämlich seit seinem Besuch zum Ziel gemacht, eine Partnerschaft zwischen Novopolotsk und seiner Schaumburgischen Heimatstadt zu organisieren. Die Einwohner der weißrussischen Stadt verhielten sich den Deutschen gegenüber im allgemeinen sehr aufgeschlossen und besäßen, so Heller, großen Respekt vor deren Errungenschaften.
Sämtliche offizielle Vertreter, mit denen der Nenndorfer während seines Urlaubs in Kontakt trat, zeigten sich an einer Städtepartnerschaft sehr interessiert. „Ich habe auf meiner Reise wirklich viele interessante Menschen kennengelernt und ganz neue Eindrücke gewonnen”, sagte Heller, „nicht alles ist dort so rückständig, wie man sich das bei uns vorstellt”. Mehr über Belarus und den Besuch der alten Hansestadt Polotsk erzählt der Ingenieur in seinem Vortrag.Foto: p