Schaumburger Wochenblatt
  1. Naturschutzbund und Wirtschaftsverband wollen gemeinsam Artenvielfalt sichern

    Wirtschaftsminister Bode und Umweltminister Sander geben als "Paten" ihren Segen

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    STEINBERGEN (km). Der Naturschutzbund-Landesverband Niedersachsen e.V. und der Wirtschaftsverband Baustoffe-Naturstein e.V. (WBN) haben am Donnerstag im "steinzeichen"-Kulturpark eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, die die Vereinbarkeit von Rohstoffgewinnung und Naturschutz-Zielen speziell für Niedersachsen stärken soll. Als "Paten" werteten vor Ort zwei hochrangige Gäste die Initiative auf: Hans-Heinrich Sander, der Niedersächsische Minister für Umwelt und Klimaschutz sowie dessen Kabinetts-Kollege Jörg Bode, seines Zeichens Landesminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr.

    Einig waren sich NABU-Landesvorsitzender Dr. Holger Buschmann und WBN-Geschäftsführer Raimo Benger auf jeden Fall schon mal in einem Punkt: Das "Joint Venture" zwischen Naturschutz- und Wirtschafts-Verband markiere einen historischen Moment. "So etwas, stellte Holger Buschmann fest, "hat es bisher noch nichtgegeben."

    "Sowohl die Rohstoffgewinnung als auch der Naturschutz haben in Niedersachsen eine große Bedeutung und eine lange Tradition, heißt es in einer gemeinsamen Presse-Erklärung." Und zunehmend habe sich unterdessen die Erkenntnis durchgesetzt, dass die "Rohstoffgewinnung und der Naturschutz nicht zwangsläufig gegensätzliche Vorhaben darstellen," wie auch Umweltminister Hans-Heinrich Sander hervor hob.

    Durch den Vertrag soll ein Beitrag zum gegenseitigen Verständnis und zur Vertrauensbildung sein, und NABU und WBN gehen davon aus, "dass sich die Zahl der Konflikte zukünftig deutlich reduziert und sich die Zusammenarbeit von Vertretern Rohstoff gewinnender Betriebe mit Naturschutzvertretern gleichermaßen positiv Dialog orientiert entwickelt."

    Umweltminister Hans-Heinrich Sander und Wirtschaftsminister Jörg Bode begrüßten unisono die Zusammenarbeit und das jeweilige Bekenntnis der Verbände, den eingeschlagenen Weg gemeinsam weiter zu verfolgen. Die Politiker würdigten die Vereinbarung als beispielhaft für "unsere Philosophie eines kooperativen Naturschutzes, der das Wirtschaften in der Natur mit den Belangen ihres Schutzes und der Artenvielfalt verbindet".

    Und Minister Jörg Bode unterstrich: "Niedersachsen ist auf die Gewinnung von heimischen Rohstoffen angewiesen, denn nur so können wir langfristig eine wettbewerbsfähige Wirtschaftsstruktur und Arbeitsplätze sichern. Ich bin mir mit dem Umweltminister darüber einig, dass ein Rückzug aus der heimischen Rohstoffgewinnung zugunsten von Importen für Niedersachsen keine Handlungsoption ist."

    In der Erklärung von NABU und WBN heißt es weiter: "Die Rohstoffgewinnung und ihre Nachnutzung könnten ideale Voraussetzungen für Lebensräume seltener Tiere und Pflanzen bieten und damit zur Sicherung der Artenvielfalt beitragen." Dieser Prozess werde durch die Aktivitäten der Ministerien, der Naturschutzbehörden, aber auch durch Naturschutz- und Wirtschaftsverbände unterstützt.

    WBN-Geschäftsführer Raimo Benger betonte die Bedeutung der Rohstoffindustrie für Niedersachsen und seine Industriebetriebe. So vebrauche jeder Bundesbürger pro Tag ungefähr die Menge von zwei gefüllten Plastiktüten an mineralischen Rohstoffen - und komme wohl spätestens am Morgens beim Zähneputzen das erste Mal mit ihnen in Kontakt.

    Differenzierte Dr. Holger Buschmann: "Wir sind uns einig, dass nur eine klare Abgrenzung und Akzeptanz der für die Rohstoffgewinnung geeigneten Gebiete den Konflikt über die Rohstoffgewinnung in unserem dicht besiedelten Land lösen können. Für strittige Vorhaben werden im Dialog gemeinsam erarbeitete Lösungswege für ein Neben- und Miteinander von Rohstoffgewinnung und Naturschutz angestrebt. Insbesondere arbeiten wir zusammen, um die Entstehung von für den Natur- und Artenschutz wertvollen Biotopen zu fördern."

    So könnten bei der Rohstoffgewinnung durchaus kleine Gewässer entstehen, in denen Amphibien wie zum Beispiel im Schaumburger Wald Gelbbauchunken lebten. Das Beispiel der Liebenauer Kiesgruben bei Nienburg zeige, dass Lebensräume für eine Vielzahl von brütenden oder rastenden Vogelarten gemeinsam entwickelt werden könnten. Felswände (wie im Steinberger Steinbruch) böten zum Beispiel dem Uhu gute Brutmöglichkeiten.

    Raimo Benger appellierte an die Solidarität der Niedersachsen: "Die mineralischen Rohstoffe konzentrieren sich geologisch bedingt nur auf einzelne Gebiete in Niedersachsen. Niedersachsen kann seinen eigenen Bedarf an Natursteinen nicht selber decken und muss die schon heute aus benachbarten Bundesländern oder dem Ausland importieren."

    Dr. Holger Buschmann sieht die Beachtung des Natur- und Artenschutzes bei der "Gewinnungsplanung" als einen "wesentlichen und unbedingt zu berücksichtigenden Faktor" an.

    Außerdem müsse die Folgenutzung von Gewinnungsstätten möglichst umweltverträglich für eine Förderung der Biodiversität, angepasst an die jeweiligen natürlichen Gegebenheiten, sorgen.

    Die aktuelle und zukünftige Raumplanung, sowie die Rohstoffgewinnung in Einzugsbereichen von NATURA 2000-Gebieten bedürfe einer weiteren gemeinsamen intensiven Betrachtung, der sich der NABU und der WBN gemeinsam stellen wollen, unterstrichen Dr. Buschmann und WBN-Landesvorsitzender Dirk Wegener abschließend.

    Foto: km

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