Schaumburger Wochenblatt
  1. Den Deckel der Geschichte öffnen

    Erstaunliche mittelalterliche Funde treten auf dem Lindenbrink zutage / Zerstörungsfreie Untersuchung des Bodens

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    RIEHE (jb). "Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn man nach 1.000 Jahren der erste ist, der entdeckt, was hier einmal gewesen ist", erklärt Christian Schweitzer von der Spezialfirma Schweitzer-GPI aus Burgwedel begeistert. Zusammen mit Herbert Hoinkis und Jürgen Marhold läuft er immer wieder über das abgesteckte Feld. Der Kommunalarchäologe Dr. Jens Berthold beobachtet aufgeregt das Geschehen und auch die Bürgermeisterin der Gemeinde Suthfeld, Katrin Hösl, und einige Mitglieder des Arbeitskreises Heimatgeschichte sind anwesend. Grund für diese ganze Aufregung ist eine geophysikalische Messung auf dem Lindenbrink bei Riehe. Was im ersten Moment ziemlich trocken klingen mag, stellt sich hinterher als ein fundträchtiges und vielversprechendes Projekt insbesondere zum frühen Mittelalter heraus. In Kooperation mit dem Verein Glück-Auf in Riehe und dem ehrenamtlichen Beauftragten für die Bodendenkmalpflege im Landkreis Schaumburg, Ronald Reimann, wurden bereits in den letzten beiden Jahren zahlreiche Begehungen durchgeführt. Auf Grundlage dieser Vorarbeiten sollen in diesem Jahr die bisherigen Funde erfasst und ausgewertet werden. "Wir haben bereits viele hochwertige Entdeckungen machen können, wie verzierte Fibeln und vergoldete Beschläge", erklärt Dr. Jens Berthold begeistert. "Die meisten Fundstücke stammen aus dem frühen Mittelalter, also dem 9. und 10. Jahrhundert. Dabei haben wir unter anderem einen vergoldeten Anhänger eines Zaumzeuges mit einem Fabelwesen darauf gefunden. So etwas war damals nur beim Adel in einer Burg zu finden. Das macht es umso spannender herauszufinden, was hier früher einmal gewesen war. Wir gehen definitiv von einer Siedlung aus, die etwa im 12. Jahrhundert verlassen worden ist", schlussfolgert er. Derartige Funde seien im gesamten Landkreis Schaumburg ansonsten kaum vertreten. Daher sei die Fundstelle so bedeutsam. Die Fundstücke werden fotografisch erfasst und teilweise restauriert. Auch werden sie zeichnerisch dokumentiert. Doch um überhaupt weitere Fundstücke finden zu können, wird die Fundstelle derzeit mit modernen Verfahren untersucht. Mithilfe eines sogenannten Cäsium-Magnetometers, eine effektive geophysikalische Methode der heutigen Archäologie, wird eine etwa 40 mal 40 Meter Fläche wie ein Rasternetz abgesteckt und nach und nach gemessen. Das Gerät besitzt eine hohe Empfindlichkeit und kann somit die winzigsten Abweichungen des Erdmagnetfeldes im Boden nachweisen. Das können beispielsweise Überreste archäologischer Strukturen wie Mauern und Fibeln, aber auch Holzbauten sein. Per Computer-Analyse wird dann eine Art zweidimensionales Graustufenbild erstellt. Schwarze und dunkelgraue Punkte und Flächen zeigen dabei Unterschiede im Boden und damit eventuelle Funde an. Die verschiedenen Messstücke werden dann aneinander gereiht und ergeben letztendlich eine Art Karte. Damit erhält man einen Blick unter die Erdoberfläche und öffnet sinnbildlich den "Deckel der Geschichte". Zudem ermöglicht diese Technik eine zerstörungsfreie Untersuchung des Bodengrundes, da nicht gegraben werden muss. "Das wichtigste ist sowieso nur ein bis zwei Meter unter der Erdoberfläche zu finden", weiß Dr. Jens Berthold. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Gerät relativ handlich ist und damit in kurzer Zeit große Flächen untersucht werden können. "Richtig spannend wird es aber erst, wenn man die Karte zusammengestellt hat und Fundstücke entdeckt", erklärt Christian Schweitzer lachend. In Schaumburg und Nienburg wird jedes Jahr eine derartige Messung durchgeführt. Diese Maßnahme wurde mit Geldern aus dem Denkmaltopf des Landkreises finanziert und mittels einer Kofinanzierung durch die Gemeinde Suthfeld unterstützt. Erste Ergebnisse wurden schon 2017 der örtlichen Bevölkerung präsentiert. Die Resultate der neuen Untersuchungen sollen im Laufe dieses Jahres im Rahmen eines öffentlichen Vortrages mit einer kleinen Ausstellung präsentiert werden. Alle Fundstücke und aktuelle Informationen sind zudem im Internet unter www.riehe.de unter "Archäologie auf dem Lindenbrink" einzusehen. Foto: Jens Berthold

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