Manchmal wünsche ich mir, dass die Welt verstummt und alles um uns herum einen Moment lang Pause macht. Doch die Welt dreht sich weiter. Eindrücke und Anforderungen prasseln auf uns ein. Dazu gehören erfüllende Begegnungen ebenso wie schrille und verängstigende Dinge.
Neuere Ansätze der Achtsamkeit bis hin zu gutbesuchten Yogakursen haben die Kraft der Stille und der inneren Konzentration entstaubt und zurück ins moderne Bewusstsein geholt. Die Ermutigung ist wichtig: Gönn dir eine Pause! Denn das tut dir gut. Kopf und Seele profitieren davon. Du musst nicht immer produktiv sein. Nimm dir einen Moment und verliere das Wichtigste nicht aus dem Blick: den Kontakt zu dir selbst und den Kontakt zum Höchsten.
Als Christ genieße ich diese Kraft im Gebet. Ich finde es faszinierend, was alles zum Klingen kommt, wenn ich still werde und bete. Ich schließe die Augen, werde ruhig, atme und höre. Sofort ploppen innere ToDo-Listen auf. Doch schon bald kommt Tieferes nach oben: Worte, die nachwirken, Erfahrungen, die mich dankbar stimmen, kleine und große Sorgen. Wer betet, begegnet sich selbst. Doch nicht nur das: Wer betet, pflegt den Kontakt zum Höchsten, zum Schöpfer der Welt. Je länger ich still bin und bete, desto mehr kann ich von mir absehen, manche Prioritäten ordnen sich neu, andere Menschen kommen mir in den Sinn und ich versuche die Welt als Gottes Schöpfung, aus seiner Perspektive, wahrzunehmen. Mir tut es gut, still zu werden und hineinzuhören in mich und „hinaufzuhören“ zu Gott. Manchmal helfen mir besondere räumliche Atmosphären, um zur Ruhe zu kommen. Mitten im Grünen etwa kann ich gut abschalten oder in einem alten durchbeteten Kirchengemäuer, wo Generationen vor mir Freud und Leid erlebt und ihr Leben bedacht haben.
An diesem Sonntag widmen sich viele Gottesdienste dem Thema Gebet. Einmal im Jahr soll die Kraft der Stille und des Gebets im Mittelpunkt stehen. Manchmal braucht es einen neuen Anfang oder ein neues Bewusstwerden, um diese Kraft im Alltag für sich persönlich fruchtbar zu machen. Manchmal braucht es auch neues Vertrauen bzw. neuen Mut, etwas von Gott zu erwarten. Ich wünsche mir die Gewissheit des alten Psalmworts, das zu diesem Sonntag gehört: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet” (Psalm 66,20).
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