Beim Ausblick auf den morgigen Sonntag, der im Bezug auf das Kirchenjahr den Namen Quasimodogeniti trägt, muss ich automatisch an eine der berühmtesten Kathedralen der Welt denken, Notre Dame.
Oft erwähnt und vielbesungen, erbaut und abgebrannt, wiedererrichtet und unfassbar faszinierend.
Warum denke ich gerade jetzt an Notre Dame?
Der taube „Krüppel“ ist der Grund, Quasimodo, der seinen Namen bekommen hat, weil er am Sonntag Quasimodogeniti, dem ersten Sonntag nach Ostern, vor Notre Dame gefunden wurde.
Es ist so bitter für ihn, erst einmal ist er körperlich gezeichnet, er wird auf Grund seiner Abnormität von seinen Eltern ausgesetzt und wird obendrein später auch noch vom permanenten Glockenlärm taub.
Das ist schon ein Bißchen viel, sollte man meinen. Dann bekommt er noch den Namen, der so viel wie „auf diese Weise“ bedeutet. Und jeder, der den Roman gelesen hat, weiss was damit gemeint ist.
Dieser krumme Glöckner tut seinen Dienst in seinem zwar etwas naiven und kindlichen Glauben, aber er tut diesen Dienst für Gott und hat ein gutes Herz.
Er lebt in seiner nahezu abgeschotteten Welt in Notre Dame und lebt in seinem Glauben und für seinen Glauben, irgendwie beneidenswert, oder? Da ist kein Zweifel zu sehen, kein Hinterfragen, kein Verlangen nach Beweisen.
Und dann gibt es in der Bibel einen Menschen, der doch etwas anders gestrickt ist. Dieser Mensch, sogar Jünger, trägt den Beinamen „der Ungläubige“, genau, der Jünger Thomas ist gemeint.
Ich kann mich noch genau an die ein oder andere Situation erinnern, in der ich meiner Mutter irgendwelche Dinge nicht geglaubt habe. Und dann bekam ich von ihr den Beinamen „Du ungläubiger Thomas“ verliehen. Aber woher kommt dieser Ausspruch?
Jesus begegnet nach seiner Auferstehung den Jüngern, Thomas ist allerdings nicht dabei. Die anderen Jünger berichteten Thomas, dass sie Jesus gesehen hätten und dass er auferstanden sei. Dieser spricht dann diese berühmten Worte: „Das glaube ich nicht! Ich glaube es erst, wenn ich seine durchbohrten Hände gesehen habe. Mit meinen Fingern will ich sie fühlen“ (Joh 20, 25).
Jesus bekam das zwangsläufig mit und bot Thomas beim ersten Aufeinandertreffen an, seine Finger in die Wunden zu legen. Daraufhin glaubte Thomas, dass es Jesus ist und dass er auferstanden ist.
„Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“
Welcher Typ Mensch sind wir? Glauben wir wie der gutherzige Quasimodo oder Zweifeln wir und brauchen Beweise wie Thomas?
Wahrscheinlich liegen die meisten von uns irgendwo in der Mitte. Das ist auch völlig normal, jeder darf auch mal zweifeln oder darf sich unsicher sein. Jeder darf seine Bedenken äußern und nach eigenen Beweisen suchen.
Und auch das passt sehr gut in diese Osterzeit, wir suchen gern nach unserem Glück und unsere Antworten, das muss auch so sein. Wir werden aber sicherlich das ein oder andere Mal nicht die Antworten finden, die wir suchen oder die wir uns wünschen.
Und mit aktuellen Wundern ist es auch immer so eine Sache. Wer auf konkrete und ersehnte Wunder wartet, wird vielleicht enttäuscht sein, dass nichts passiert. Aber bestimmt können wir die kleinen alltäglichen Wunder finden. Die Wunder, die für uns so selbstverständlich geworden sind, der sichere Weg zur Arbeit oder zur Schule, harmonische und liebevolle Zeit in der Familie und Partnerschaft, aber auch unsere tägliche Nahrung und unsere Gesundheit sind doch immer wieder die Wunder, die uns das Leben lebenswert machen. Spätestens dann, wenn diese kleinen Wunder nicht mehr da sind, merken wir, dass sie wunderbar unser Leben verschönert und ein Leben erst ermöglicht haben.
Es ist eben momentan nicht die Zeit des Wissens, der Beweise und der Fakten. Vielleicht ist momentan eher die Zeit von Glaube, Hoffnung und Liebe. Der Glaube an unseren Gott, der uns begleitet, die Hoffnung auf ein gutes und friedliches Leben in der Liebe, die uns durchs Leben trägt, die uns von Gott entgegen gebracht wird und die wir in die Welt tragen können. Auch wenn es manchmal schwer ist, es ist einen Versuch wert.