Wer die Augen aufmacht und hinsieht, kann zu dieser Jahreszeit ein Wunder miterleben. Durch den kalten, froststarren Boden kämpfen sich kleine grüne Spitzen. Gelbe Winterlinge blühen im trockenen Laub; weiße Schneeglöckchen sind auf einmal im kahlen Rasen zu sehen. Bunte, farbenfrohe Krokusse entfalten ihre Pracht.
Der Kontrast ist stark: Nach der langen dunklen Winterzeit erfreuen Licht und Farben unser Herz. Es sind ja oft die kleinen Dinge, die uns Mut machen und uns stärken. Und wenn wir dem nachsinnen, wie aus einem winzigen Samenkorn eine Blume wächst, eine Korngarbe oder gar ein Baum, dann ist das wirklich ein Wunder. Es entspricht nicht unserer auf Erfolg und Effektivität basierenden Gesellschaft.
Das biblische Thema für den kommenden Sonntag ist auch ein kleines Weizenkorn. Jesus benutzt es als Gleichnis, wie so viele andere Alltagsdinge auch. Das Weizenkorn wird in die dunkle Erde gelegt. Es ruht dort. Später aber entfaltet es seine ganze Kraft, um zu wachsen, groß und schließlich geerntet zu werden.
Das Weizenkorn ist ein Bild dafür, dass etwas zu Ende gehen muss, damit Neues entstehen kann.
Jesus gebraucht dieses Bild, um auf sein Leben und Sterben hinzuweisen. Das kleine Korn fällt in die Erde und stirbt dort scheinbar.
So wie Jesu Wirken in den Tod führt. Seine Hinwendung zu den Menschen, seine Liebe, sein heilendes Handeln, sein tiefes Vertrauen zu Gott- das alles führt in den Tod. Das ist schwer zu verstehen. Und deshalb benutzt Jesus für diesen Lebensweg das Bild vom Weizenkorn, das sterben muss, damit neues Leben entsteht.
Jesu Leben ist Hingabe für uns Menschen. Für dich und für mich und jede und jeden Einzelnen von uns.
Seine tiefe Mitleidensfähigkeit, sein Hinter die Fassaden gucken, seine Gabe, schmerzende Verletzungen aufzubrechen und zu heilen – das alles gilt auch uns Menschen heute.
Es ist ein starker Trost und Halt. Und ein Wunder. Dass einer sein Leben gibt für uns, damit neues Leben blühen und wachsen kann. Damit wir unbeschwert und ohne Lasten leben können.