„Du bist meine Zuversicht” | Schaumburger Wochenblatt

29.01.2026 15:26

„Du bist meine Zuversicht”

Jörg Rudolph. (Foto: privat)
Jörg Rudolph. (Foto: privat)
Jörg Rudolph. (Foto: privat)
Jörg Rudolph. (Foto: privat)
Jörg Rudolph. (Foto: privat)

„Du bist meine Zuversicht, HERR, mein Gott; auf dich hoffe ich seit meiner Jugendzeit.“ (Psalm 71,5). Dieser Vers steht auf meinem Schreibtisch im Klinikum. Sei zuversichtlich – besonders, wenn du etwas Neues anfängst! Dazu möchte ich zwei kleine Geschichten aus meiner Gemeinde, dem Schaumburger Klinikum, mit Ihnen teilen.

Die alte Dame möchte die Flüssigkeit nicht schlucken. Alles Zureden der Pflegekraft nützt nichts. Ich werde mit einbezogen und sage, dass das ja wirklich scheußlich riecht und ich da wohl auch ein Problem hätte. Die Patientin fühlt sich bestätigt und schluckt dennoch gerade jetzt die Flüssigkeit herunter. Wer sich verstanden fühlt, kann wohl innere Widerstände loslassen!
Dann ein Abschiednehmen mit Angehörigen. Die Verzweiflung ist groß! Es kommt zu heftigen Trauerreaktionen. Weinen, Schreien, Anklagen, Schluchzen, sich in die Arme fallen. Ich stammle, wiederhole ihre Worte, bestätige die Realität, und wir verabschieden uns mit einer Segensgeste. Ich fühle mich erbärmlich und hilflos und höre am nächsten Tag von den Pflegekräften wie hilfreich die Präsenz der Klinikseelsorge empfunden worden ist. Aus tiefer Ohnmacht erwächst neue Zuversicht!

Diese Ohnmacht darf nicht verwechselt werden mit Schwäche und Hilflosigkeit. Das eigentlich nicht Auszuhaltende wird gemeinsam ausgehalten, Präsenz inmitten von Chaos und Leid, kleine Rituale des Glaubens zum Festhalten.
Und ich danke Gott, dass mir immer wieder neu Zuversicht zum Weiterschenken gegeben wird!

north