„Wie geht es dir?“ „Wie geht es Ihnen?“ Diese Fragen werden uns häufig gestellt. Vielleicht von jemandem, den wir seit einiger Zeit nicht mehr gesehen haben. Aber eigentlich ist diese Frage doch eine ziemliche Floskel. Und in der Regel antworten wir mit „Ganz gut“. Ob das immer so stimmt? Unabhängig von manch persönlichen Dingen, die mal gut oder weniger gut laufen, könnte doch das allgemeine Stimmungsbild sicher besser sein. Aber die Welt und einige Protagonisten auf dieser Welt haben etwas dagegen. Mit Blick auf die politische Weltlage kann einem angst und bange werden. Ein Krieg in Europa vor der Haustür, ein Krieg im Nahen und Mittleren Osten. Und alles hat Auswirkungen auf uns. Ich kenne Menschen, die sich bewusst keine Nachrichten mehr anschauen, um sich mit alldem nicht zu belasten. Mein Stimmungsbild als Christ – in diesem Fall als Katholik – könnte auch besser sein. Die Gemeinden werden kleiner, die Zahl derer, die zur Kirche kommen auch. Und die wenigen Engagierten versuchen zwar noch vieles aufrechtzuerhalten, aber es sind eben zu wenig und fast immer dieselben… Ob sich das noch einmal ändert?
Wir haben die Karwoche hinter uns. Wenn ich auf die kurze Zeit zwischen Palmsonntag und Karfreitag schaue, gab es damals in Jerusalem einen enormen Stimmungswandel. Vom triumphalen „Hosianna“ zum „Kreuzigt ihn!“ sind es nur ein paar Tage. Vom Hochgefühl, dass auch die Jünger Jesu erfasst haben muss bis zur absoluten Niedergeschlagenheit nur ein kurzer Zeitraum. Vom Feiern des Abendmahls mit Jesus bis zur Kreuzigung Jesu nur ein paar Stunden. Die Jünger gingen den letzten Weg Jesu nicht mit. Alle Hoffnung, die sie auf ihn gesetzt hatten, schien wie weggeblasen. Sie waren trostlos, mutlos, ihre Herzen waren voll Angst. Und diese Angst war so groß, dass sie sich förmlich eingeschlossen hatten. Ich kann das gut nachvollziehen, weil es mir in meinem Leben eben manchmal auch so geht. Weil manchmal auch meine Pläne durchkreuzt werden und meine Hoffnung zu erlöschen droht. Weil auch ich manchmal genug habe von den schlechten Nachrichten und ich am liebsten nichts davon hören und sehen möchte.
Nun glaube ich aber als Christ, dass die Geschichte mit Jesus am Karfreitag eben nicht zu einem Ende gekommen ist. Und Zeugen dafür sind ausgerechnet die Jünger, die doch so sehr von Angst und Hoffnungslosigkeit ergriffen waren. Aber sie haben den Stimmungsumschwung geschafft. Sie hatten natürlich einen Vorteil gegenüber uns heute: Ihnen ist Jesus als Auferstandener erschienen. Aber aus diesen Erscheinungen zogen sie dann auch Konsequenzen. Sie gingen nach ihren Ostererlebnissen hinaus in die Welt und verkündigten Jesus als den Gekreuzigten und Auferstandenen. Aus angstbesetzten Menschen wurden mutige Zeugen für die Botschaft Jesu Christi. Und diese Zeugen, die Apostel, gaben alles für diesen Jesus, sogar das Leben.
Ich wünsche mir an diesem Osterfest diesen Stimmungsumschwung für uns alle. Im privaten Bereich überall dort, wo es nötig ist. In der Gesellschaft, wo weniger das Ego als das Wir zählen sollte, weniger der Alleingang, sondern mehr der Zusammenhalt. Weniger Streit, mehr Frieden… Das ist auch die Botschaft, die der auferstandene Jesus Christus den Jüngern zuruft und eben auch uns: „Der Friede sei mit euch!“ Lassen wir uns von seiner Botschaft anstecken. In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern gesegnete Ostern und einen österlichen Stimmungsumschwung!