Viele Menschen tragen sich mit dem Gedanken, ihre Haare zu spenden. Doch wie genau läuft das eigentlich ab und was passiert danach mit den abgeschnittenen Zöpfen? Eine Orientierung bietet die „Rapunzel“-Haarspende des Bundesverbands der Zweithaar-Spezialisten e. V., eine der bekanntesten Initiativen dieser Art in Deutschland.
Seit 2009 sammelt der Verband Echthaarspenden aus dem ganzen Bundesgebiet. Ziel ist es, Menschen zu unterstützen, die durch Krankheit ihr Haar verloren haben. Dazu gehören vor allem krebskranke Kinder und Frauen. Aus den gespendeten Haaren werden Perücken und Haarteile gefertigt, die Betroffenen ein Stück Normalität zurückgeben können.
Am Anfang steht jedoch eine ganz praktische Frage: Sind die eigenen Haare überhaupt geeignet? Für die Teilnahme an der „Rapunzel“-Aktion gelten klare Voraussetzungen. Die Haare sollten mindestens 30 Zentimeter lang sein. Außerdem dürfen sie nicht chemisch behandelt sein, also weder gefärbt noch gesträhnt oder dauergewellt. Wichtig ist auch, dass die Haare vor dem Schnitt vollständig trocken sind.
Beim Friseur werden die Haare dann sorgfältig vorbereitet. Sie werden zu einem oder mehreren festen Zöpfen gebunden, bevor sie abgeschnitten werden. So bleibt die Haarstruktur erhalten und die Weiterverarbeitung wird erleichtert.
Nach dem Friseurbesuch folgt der Versand. Die abgeschnittenen Zöpfe können per Post an die zentrale Sammelstelle geschickt werden. Für die „Rapunzel“-Aktion ist dies die Haarkunst GmbH in Steinberg-Wernesgrün. Dort werden die Spenden gesammelt, sortiert und für die nächsten Schritte vorbereitet.
Ein besonderer Aspekt dieser Initiative ist die Weiterverwendung der Haare. Sie werden nicht direkt an Einzelpersonen weitergegeben. Stattdessen organisiert der Verband Versteigerungen. Der Erlös fließt vollständig in gemeinnützige Projekte. Im Jahr 2025 kamen auf diese Weise insgesamt 246.000 Euro für acht Organisationen zusammen. Ein großer Teil, nämlich 120.000 Euro, ging an die Deutsche KinderKrebshilfe.
Die Menge der gespendeten Haare ist beachtlich. Jedes Jahr kommen mehrere hundert Kilogramm zusammen. Für das Jahr 2025 wird die Sammlung auf etwa 300 bis 400 Kilogramm geschätzt. Das zeigt, wie groß die Bereitschaft ist, mit einer vergleichsweise kleinen Geste etwas zu bewirken.
Wichtig ist jedoch, dass die „Rapunzel“-Haarspende nur eine von mehreren Möglichkeiten darstellt. Grundsätzlich kann eine Haarspende bei fast jedem Friseur vorbereitet werden. Der Ablauf ist meist ähnlich. Unterschiede gibt es bei den Anforderungen und bei der Organisation danach. Viele Initiativen arbeiten mit festen Partnersalons oder haben zusätzliche Vorgaben, etwa zur Haarstruktur oder zur Verpackung.
Wer sich für eine Spende interessiert, sollte sich daher vorab informieren, welche Bedingungen die jeweilige Organisation stellt. Für die „Rapunzel“-Aktion finden sich alle wichtigen Hinweise und Schritt-für-Schritt-Erklärungen online unter www.bvz-rapunzel.de. So wird aus einer persönlichen Entscheidung eine gezielte Unterstützung für Menschen, die sie dringend brauchen.
Foto: privat