Paul Jost, ein Rodenberger, wurde denunziert, verraten und auf Anordnung der Nationalsozialisten „im Zuchthaus von Hameln totgespritzt“, schildert seine Enkelin Brigitte von Jaminet dieser Zeitung, beim Gang durch die aktuelle Ausstellung im Foyer der Sparkasse Schaumburg in Rodenberg. Die Begründung: „Er hatte nach Auffassung der Nationalsozialisten einen Feindsender im Radio gehört und Zwangsarbeitern in Hannover Zigaretten oder Brot ins Fach gelegt“.
Der Einsatz und das Schicksal von Paul Jost steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Paul Jost – Widerstand gegen das NS-Regime“, von der fünfzehnjährigen Gymnasiastin Jara Dietrichkeit.
Gestaltet wurde die Ausstellung auf zwanzig Roll-Up-Banner, mit den Darstellungen ihrer gleichnamigen Graphic Novel Illustration, nah ihrer „tiefgründigen, recherchierten Erzählung über das Leben und die Verfolgung von Paul Jost – einem Menschen, dessen Schicksal heute noch immer nachhallt“, hob Geschäftsstellenleiter Frank Frevert hervor.
Jara Dietrichkeit wurde für diese Graphic Novell bereits 2025 in Rodenberg mit dem zweiten Platz der Julius Rodenberg-Medaille ausgezeichnet. Eine Auszeichnung, „die die herausragende künstlerische Leistung sowie den Beitrag zur historischen Aufarbeitung“ würdigte, so Frank Frevert.
Mit der Ausstellung habe „jeder Besucher die Möglichkeit, in die erzählerische Bildwelt einzutauchen, die persönliche Schicksale mit gesellschaftlicher Verantwortung verknüpft. In einer Zeit, in der das Gedenken an vergangene Verfolgungen und das Bewusstsein für Menschenrechte wichtiger denn je sind, leitet auch gerade die Kunst einen unverzichtbaren Beitrag.“
Seit ihrer frühen Kindheit habe sie sich für Geschichte interessiert, schilderte Jara Dietrichkeit während der Vernissage ihren Zugang zur Arbeit. Über die Recherche zu den Stolpersteinen in Rodenberg sei sie schnell auf die Person Paul Jost gestoßen.
Dietrichkeit: „Jost war überzeugter Sozialdemokrat und leistete Widerstand während der NS-Zeit.“ Zusammen mit der Enkelin von Paul Jost, die ebenfalls in Rodenberg lebt, „die mir mit viel Vertrauensvorschuss eine Sichtung des Familienarchives ermöglichte“, entschied sie sich, aus dem zusammengestellten Text, eine „historisch basierte Graphic Novel zu verfassen“.
Eine Graphic Novel, eine Bildgeschichte, „die sich mit komplexen Themen befasst und sich daher deutlich von allgemeinen Comics unterscheidet“, betont sie.
Bei der Umsetzung zu einer Ausstellung wurde sie durch etliche Sponsoren unterstützt, wie beispielsweise durch den Verein „Bad Nenndorf ist bunt e.V.“, die „Schaumburger Landschaft“, der Samtgemeinde Rodenberg, der SPD und der ehemaligen Synagoge in Stadthagen.
Die Präsentation wird bis zum 24. September in der Sparkassen-Geschäftsstelle, Lange Straße 50, während der Öffnungszeiten gezeigt. Dort ist auch die Graphic Novel broschiert am Schalter erhältlich.