Eigentlich, so Stefan Branahl, sei er sein Leben lang ein echter Vereinsmuffel gewesen. Als Leiter der Redaktion der Kirchenzeitung des Bistums Hildesheim und leidenschaftlicher Weltreisender sei seine Zeit ohnehin knapp gewesen und für ehrenamtliche Arbeit im Verein blieb da wenig über. Ganz anders sein Mitstreiter Franz-Josef Stöckl, der kurzzeitig den SC Rinteln leitete, im Rat der Stadt saß, im Kreistag mitentschied, den Karnevalsverein mitgründete und auch die Vereinigten Chöre Rinteln führte. Jetzt ist Branahl im Ruhestand und zusammen mit Stöckl hat er die Aktion „Donnerstags um Drei“ in der katholischen Kirche St. Sturmius ins Leben gerufen. Die Alternative zur ehrenamtlichen Arbeit: „Fernseher, aber das kam für uns beide nicht in Frage und im Ruhestand die Füße hochlegen, das wollten wir auch nicht“, sind sich Stöckl und Branahl einig. Sie gingen zu einer Sitzung zur Aktivierung von kirchlichen Gruppen. Da sei am Ende die Seniorenarbeit übrig geblieben und dieser Arbeit widmen sich jetzt die beiden Ehrenamtler. Bei einem ersten Sondierungstreffen mit Ursula Gauglitz und Sabine Kalkmann als Zuständige für Seniorenarbeit im Kirchenkreis schlug jeder etwas anderes vor. Also entschied man sich für ein wechselndes Donnerstagsprogramm von Bingo über Gedächtnistraining bis zu Ausflügen und Diskussionsnachmittagen. Heute nehmen regelmäßig über 20 Personen am Donnerstag um 15 Uhr im Gemeinderaum der katholischen Kirche teil. Zum Ziel haben sich Stöckl und Branahl die Generation „Ruheständler“ gesetzt und der Altersschnitt der Besucher von 60 bis 97 zeigt, dass das Konzept Früchte trägt. Richard Witt ist der älteste Teilnehmer und bei einer gemeinsamen Radtour stellte er unter Beweis, dass er es noch so richtig drauf hat. Es sei schön zu erleben, wie man etwas von „0“ aufbauen könne und mittlerweile unterstützten viele Menschen die Donnerstagsaktionen: „Es ist eine Atmosphäre der guten Gemeinschaft entstanden, die ich für mein Leben bereichernd empfinde“, so Branahl. Er schiebt passend zur aktuellen Witterung nach: „Wenn Menschen sich freuen wie Schneekönige, dann stimmt das Konzept!“ Franz-Josef Stöckl sieht unter den Besuchern auch die Ökumene gestärkt, denn nicht nur aus der katholischen Gemeinde kommen Gäste, sondern auch aus anderen Rintelner Kirchengemeinden. Stöckl und Branahl wollen sich mit den ersten Erfolgen allerdings nicht zufriedengeben. Sie werden sich nach einem Vortrag von Christel Grannemann-Bülte vom Mehrgenerationenhaus künftig verstärkt um die Bekämpfung von Einsamkeit kümmern und hatten dazu schon am Heiligabend ein erstes Angebot: „16 Menschen folgten unserer Einladung zum gemeinsamen Abend mit Kartoffelsalat und Würstchen, Liedern und Gesprächen!“ Die Alternative wäre für diese Menschen ein Heiligabend alleine zu Hause gewesen. Im Frühjahr sollen weitere Aktionen folgen und ein Helferkreis wird aktuell aufgebaut. Beide Ehrenamtler sind sich sicher: „Man kann nicht immer nur nach Veränderungen rufen, man muss sie aktiv mitgestalten!“