Rettung in über 40 Metern Höhe | Schaumburger Wochenblatt

Rettung in über 40 Metern Höhe

Der Erhalt des noch gesunden Holzes steht aus Sicht des Denkmalschutzes im Vordergrund und genau diese Herausforderung ist für das Team der Zimmerei Wolter eine Passion. (Foto: ste)
Der Erhalt des noch gesunden Holzes steht aus Sicht des Denkmalschutzes im Vordergrund und genau diese Herausforderung ist für das Team der Zimmerei Wolter eine Passion. (Foto: ste)
Der Erhalt des noch gesunden Holzes steht aus Sicht des Denkmalschutzes im Vordergrund und genau diese Herausforderung ist für das Team der Zimmerei Wolter eine Passion. (Foto: ste)
Der Erhalt des noch gesunden Holzes steht aus Sicht des Denkmalschutzes im Vordergrund und genau diese Herausforderung ist für das Team der Zimmerei Wolter eine Passion. (Foto: ste)
Der Erhalt des noch gesunden Holzes steht aus Sicht des Denkmalschutzes im Vordergrund und genau diese Herausforderung ist für das Team der Zimmerei Wolter eine Passion. (Foto: ste)

Wenn der Zahn der Zeit an jahrhundertealten Balken nagt und sogar die Kirchturmuhren beginnen, sich der Stadt zuzuneigen, ist es höchste Zeit für Rettung in luftiger Höhe: Die evangelisch-lutherische Stadtkirche St. Nikolai in Rinteln unterzieht sich einer spektakulären und dringend notwendigen Sanierung ihres barocken Turms.

Hoch oben auf vierzig Metern Höhe, erreichbar mit einem speziellen Lastenaufzug bis zum Laternenboden, offenbart sich das Ausmaß der Herausforderung der Sanierungsarbeiten. Wer hier den Blick schweifen lässt, blickt auf eine faszinierende Baustelle, auf der Handwerkskunst vergangener Jahrhunderte auf moderne Denkmalschutz-Expertise trifft. Diplom-Ingenieur Heinfried Stuve und Bauleiterin Dipl.-Ing. Birgit Ringe koordinieren gemeinsam mit regionalen Betrieben wie der Zimmerei Wolter, dem Dachdeckerbetrieb Lars Kammann und Klempner Christian Bagge ein Projekt, das dem weithin sichtbaren Wahrzeichen der Altstadt neues Leben einhaucht.

1238 als Basilika geweiht

Die Wurzeln des sakralen Prachtstücks reichen weit zurück. Ab 1238 als Basilika geweiht und nach dem Schutzpatron der Schiffer und Kinder benannt, erlebte die Kirche im vierzehnten Jahrhundert den Umbau zur dreischiffigen Hallenkirche. Den markanten, das Stadtbild bis heute prägenden barocken Turm samt Kuppel erhielt das Gebäude jedoch erst zwischen 1788 und 1803. Genau dieser historische Aufsatz fordert die Handwerker heute maximal heraus, da sich unter dem alten Metall echte Überraschungen verbargen.

Blech auf Blech und Wassereinbruch

Generationen zuvor hatten schlicht Blech auf Blech gelegt. Bis zu drei Lagen kamen zum Vorschein, fixiert mit bis zu sechzig Millimeter langen, zum Teil handgeschmiedeten Nägeln, die sich kaum noch lösen ließen. Nach dem Abtragen dieser schweren Schichten offenbarte sich das wahre Problem: Wassereinfall hatte der Unterkonstruktion stark zugesetzt und weite Teile vermodert. Während die tragenden Hölzer erstaunlicherweise stabil blieben, musste die Kuppelschalung großflächig erneuert werden. Dabei gilt oberstes Gebot des Denkmalschutzes, jedes gesunde Altholz sorgsam zu bewahren.

20 Zentimeter Verneigung

Doch das war bei Weitem nicht die einzige Entdeckung auf der Großbaustelle. Die Turmuhren boten einen fast schon dramatischen Anblick, da sie sich auf der Wetterseite rund zwanzig Zentimeter weit in Richtung Stadt neigten und eine aufwendige Korrektur verlangten. Auf der Südostseite stießen die Fachleute zudem auf eine seltene Altbemalung auf alten Holzplanken. Sobald die neuen Titan-Zink-Bleche montiert sind, rücken die Maler an, um eine feinfühlig abgestimmte gelb-graue Färbung aufzubringen, die sich perfekt in das vertraute Rintelner Stadtbild einfügt.

Sponsor für vergoldete Wetterfahne gesucht

Ein kleiner optischer Höhepunkt wartet noch auf seine Finanzierung, denn für die frisch erstrahlende Wetterfahne wird derzeit noch ein Sponsor gesucht, der die Kosten von rund zweitausend Euro für die Vergoldung übernimmt. Auch im Inneren des Glockenstuhls gibt es viel zu tun, da heftiger Rostfraß die alten Eisenglocken so stark beschädigt hat, dass sie aktuell komplett neu gegossen werden müssen. Durch eine witterungsbedingte Verzögerung von rund zehn Wochen im Winter peilt das Projektteam nun das Ende des ersten Quartals 2027 für den erfolgreichen Abschluss an. Trotz aller Überraschungen und verdeckten Schäden blickt Heinfried Stuve finanziell optimistisch in die Zukunft, da die Planungen von vornherein großzügig kalkuliert wurden und der Kostenrahmen voraussichtlich punktgenau eingehalten werden kann.


Sonja und Stephan Weichert
Sonja und Stephan Weichert
Freie Journalisten
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