Stellungnahmen aus Bückeburg zur ICE-Trassenplanung | Schaumburger Wochenblatt

Stellungnahmen aus Bückeburg zur ICE-Trassenplanung

Nenndorfer Erklärung-Treffen (Foto: privat)
Nenndorfer Erklärung-Treffen (Foto: privat)
Nenndorfer Erklärung-Treffen (Foto: privat)
Nenndorfer Erklärung-Treffen (Foto: privat)
Nenndorfer Erklärung-Treffen (Foto: privat)

Bei der Ratssitzung in Bückeburg, bei der die Deutsche Bahn in der Vorwoche ihre konkretisierten Pläne der Öffentlichkeit vorgestellt hat, gab es auch Stellungnahmen der einzelnen Parteien und Beteiligten, die wir in Gänze online veröffentlicht haben. Hier der Auszug aus den wichtigsten Reaktionen auf die ICE-Pläne sowie Forderungen der Partner vor Ort:

Die Stellungnahmen der Beteiligten

Bürgerinitiative BIGTAB e. V.: Verlesene Stellungnahme zu den Planungen einer Neubaustrecke im Rahmen des DB-Projektes Hannover–Bielefeld, gerichtet an die Mitglieder des Rates der Stadt Bückeburg, sowie an alle Bürgerinnen und Bürger Ablehnung der Neubaustrecke Hannover–Bielefeld und Forderung nach dem vorrangigen Ausbau der Bestandsstrecke. Die Bürgerinitiative BIGTAB e. V. lehnt den geplanten Bau einer neuen, trassenfernen Bahnstrecke zwischen Hannover und Bielefeld entschieden ab. Stattdessen fordern wir den zügigen, leistungsfähigen und umweltverträglichen Ausbau der bestehenden Bahnstrecke.
Wir appellieren an alle Fraktionen des Rates der Stadt Bückeburg, sich klar, eindeutig und geschlossen gegen die Neubaustrecke auszusprechen und den Ausbau der Bestandsstrecke aktiv zu unterstützen.
Gründe für unsere Ablehnung
1. Klimatische Gründe
Der Bau einer Neubaustrecke verursacht enorme CO₂-Emissionen durch Beton, Stahl, Erdbewegungen und jahrelange Bautätigkeit. Diese „grauen Emissionen“ stehen in keinem Verhältnis zum möglichen Nutzen. Ein Ausbau der Bestandsstrecke ist deutlich klimafreundlicher und schneller wirksam.
2. Ungünstiges Nutzen-Kosten-Verhältnis
Die Neubaustrecke ist mit extrem hohen Investitionskosten verbunden, während der verkehrliche Mehrwert begrenzt bleibt und gleichzeitig dringend benötigte Mittel im bestehenden Netz fehlen. Ein gezielter Ausbau der bestehenden Infrastruktur bietet bei deutlich geringeren Kosten einen vergleichbaren Nutzen für den Personen- und Güterverkehr.
3. Massive Umweltbelastungen
Die geplante Neubautrasse greift tief in sensible Landschaften, landwirtschaftliche Flächen, Wälder und Lebensräume geschützter Tier- und Pflanzenarten ein. Dauerhafte Lärmbelastung, Zerschneidung von Lebensräumen und Beeinträchtigungen des Wasserhaushalts wären die Folge und würde somit die Lebensqualität vieler Menschen erheblich beeinträchtigen.
4. Unnötiger Flächenverbrauch
Fruchtbare Böden und wertvolle Freiräume würden dauerhaft versiegelt. Dieser Flächenverbrauch ist weder zeitgemäß noch verantwortbar – insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels und des Schutzes regionaler Landwirtschaft.
5. Reine Betonstrecke ohne regionale Anbindung
Die Neubaustrecke dient vor allem dem Fernverkehr und bringt der Region selbst kaum Vorteile. Bahnhöfe, Anschlüsse und verkehrliche Verbesserungen für die betroffenen Kommunen sind nicht vorgesehen.
6. Unvertretbar lange Planungs- und Bauzeiten
Die Realisierung einer Neubaustrecke würde sich über Jahrzehnte hinziehen. Verkehrsprobleme werden dadurch nicht kurzfristig gelöst, während der Ausbau der Bestandsstrecke deutlich schneller umgesetzt werden kann. Verkehrspolitik muss zeitnah wirksam sein.
7. Massive Planungsunsicherheit für Betroffene
Jahrelange Unklarheit über Trassenverlauf, Enteignungen und Lärmbelastungen führt zu erheblicher Verunsicherung bei Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und landwirtschaftlichen Betrieben.
8. Wirtschaftlicher Schaden für die Region
Die Neubaustrecke gefährdet die wirtschaftliche Entwicklung entlang der gesamten Trasse. Betriebe verlieren Planungssicherheit, Investitionen werden zurückgestellt oder unterbleiben.
9. Sinkende Immobilienpreise ohne Ausgleich
Wertverluste von Wohn- und Gewerbeimmobilien sind zu erwarten. Für diese finanziellen Nachteile ist bislang kein angemessener Ausgleich vorgesehen.
Unsere Forderung:
• Klare politische Ablehnung der Neubaustrecke Hannover–Bielefeld
• Vorrangiger, schneller und umfassender Ausbau der bestehenden Bahnstrecke
• Lärmschutz, Kapazitätssteigerung und Modernisierung entlang der Bestandsstrecke
• Transparente Planung unter echter Beteiligung der betroffenen Kommunen und Bürgerinnen und Bürger
• Nachhaltige Verkehrspolitik, die Umwelt, Klima und regionale Interessen berücksichtigt
Unser Appell:
Wir fordern den Rat der Stadt Bückeburg auf, Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger dieser Region zu übernehmen und ein deutliches Signal zu setzen:
Nein zur Neubaustrecke – ja zum Ausbau der bestehenden Bahnstrecke. Nur so lassen sich Klimaschutz, wirtschaftliche Vernunft und die berechtigten Interessen der Menschen vor Ort miteinander vereinbaren.
Bückeburg, den 19.02.2026
Für die Bügerinitiative BIGTAB e.V.
Reinhard Fromme (1. Vorsitzender)
Heike Wehage (2. Vorsitzende)
Michael Seils (3. Vorsitzende)
Thomas Meier ( Schriftführer)
Katrin Gänsicke ( Kassiererin)

Bürgermeister Axel Wohlgemuth: „Mit der heutigen Ratssitzung setzten wir ein deutliches Signal: Wir bekennen uns zur Schiene und zu moderner Infrastruktur – aber nicht zu einer Lösung, bei der der ländliche Raum allein die Lasten trägt. Unsere Ortsteile, unsere landwirtschaftlichen Flächen und unsere Bückeburger Niederung sind kein Kollateralschaden für ein 31-Minuten-Dogma aus Berlin. Wir erwarten eine ehrliche Alternativenprüfung und eine politische Neubewertung der 31-Minuten-Vorgabe. Eine zukunftsorientierte Infrastruktur entsteht nicht durch eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h, sondern durch ausgewogene Entscheidungen zwischen den Interessen der Metropolregionen und unserem ländlichen Raum.
Als stark betroffene Region setzten wir auf den Schulterschluss aller Kommunen, die im Korridor der geplanten Trassenvariante liegen. Gemeinsam mit unseren Bürgern stellen wir uns weiterhin gegen die Pläne der Bahn.”

Sandra Schauer-Bolte (SPD): Wir lehnen diesen Trassenneubau seit 2002 ab und bleiben bei unserer Haltung!

Die Bückebuger Niederung ist:
- Brut- und Rastgebiet für Vögel
Sie ist Lebensraum für Amphibien, bedrohte Tierarten und für seltene Pflanzenarten
Und sie ist unverzichtbarer Wasserspeicher in Trockenperioden für Bückeburg

In diesem sensiblen Gebiet bedeutet die Geplante Bahntrasse einen massiven Eingriffe mit gigantischen Flächenverbrauch die Zerschneidung von Lebensräumen die Zerstörung von notwendigen Überflutungsflächen und damit steigende Gefahr von Hochwasser bei Starkregenereignisse, die immer häufiger werden.

Von den Auswirkungen auf den Rethof sowie auf Wohn- und Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger ganz zu schweigen. Die 31 Minuten Fahrzeit zwischen Hannover und Bielefeld sind der Kern des Problems. Das Versprechen lautet: Vom Deutschlandtakt und diesem Trassenneubau profitiert ganz Deutschland. Ich behaupte mal Bückeburg profitiert jedenfalls nicht. Und dieses Versprechen steht aus unserer Sicht auch im Gegensatz zu den finanziellen und ökologischen Folgen dieser Neubaustrecke. Ohne Frage, die Bahn ist ein zentrales Instrument für klimafreundliche Mobilität. Aber wie klimafreundlich ist am Ende dieser Trassenneubau, wenn die Zerstörung von Naturschutzgebieten
und die immensen Mengen freigesetzter Grauen Energie, mit einberechnet werden? Und mit welcher Kostenexplosion ist bei diesem Projekt zu rechnen?

Weiche Böden bedeuten aufwendige Gründungen, sowie Brücken, Dämme und Tunnel bringen in Summe höhere Baukosten und längere Bauzeit. Deshalb fordern wir vom Bund seine Vorgaben zu ändern und die alten Pläne dringend zu korrigieren: Björn Sassenberg hat die Forderungen schon umfassend formuliert. Und wir schließen uns an: Wir fordern eine Weiterplanung ohne Vorfestlegung auf die fixen 31 Minuten und ohne die festgeschriebenen 300 km/h.

Wir fordern eine Berücksichtigung und transparente Bewertung des trassennahen Ausbaus – sowie belastbare Aussagen zur finanziellen Realisierbarkeit und zur CO₂-Belastungen, die durch den Bau und die Zerstörung von Naturschutzgebieten entsteht. Und wir fordern den sinnvollen Einsatz von Steuergeldern und kostbaren Ressourcen. Denn eine verantwortungsvolle Entscheidung für die Zukunft bedeutet nicht blindlings eine Schneise durch die Landschaft zu ziehen um ein paar Minuten zu sparen. Verantwortungsvolle Entscheidungen berücksichtigen Klima- Natur- und Landschaftsschutz. Verantwortungsvolle Entscheidungen schauen auf die Kosten-Nutzen Rechnung

Verantwortungsvolle Entscheidungen erarbeiten sich eine Akzeptanz in der Bevölkerung. Es sind heute soviel Bürgerinnen und Bürger hier, die dieses Thema bewegt. Unsere Nachricht an die Bundesregierung und Landesregierung lautet: Wir stehen als Bürgerinnen und Bürger, wir stehen als Region zusammen geschlossen gegen diesen Trassenwahnsinn und das bleibt auch so. Unser Arbeitsauftrag lautet: Ändert den Planungsauftrag, korrigiert diese Entscheidung die diese Region nachhaltig negativ verändern wird.

Andreas Paul Schöniger (FREIE WÄHLER-BfB +): Die Gruppe FREIE WÄHLER-BfB + im Rat der Stadt Bückeburg wird sich auf Grundlage der Nenndorfer Erklärung entschieden gegen die beabsichtigten Planungen der Bahn einsetzen. Sie unterstützt ausdrücklich die Positionen der Kreis- und Stadtverwaltungen sowie der Bürgerinitiative BIGTAB.
Die Vorträge von Herrn Jekel und Herrn Vorwerk lassen erhebliche Zweifel daran aufkommen, dass das Gebiet der Bückeburger Niederung aufgrund des bislang unklaren Streckenverlaufs im vorgesehenen Korridor nicht betroffen sein wird. Gerade diese Ungewissheit birgt erhebliche Risiken für Natur, Landwirtschaft und die betroffenen Ortschaften.
Bei einer derart massiven Baumaßnahme ist davon auszugehen, dass die Natur bereits während der Bauphase erheblich in Mitleidenschaft gezogen wird. Darüber hinaus ist mit einer Absenkung des Grundwasserspiegels entlang der Trasse zu rechnen, was langfristige und dauerhafte Beeinträchtigungen nicht nur für die landwirtschaftliche Nutzung zur Folge hätte.
Besondere Sorge bereitet zudem das Ergebnis der Besprechung des Bundeskanzlers mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder am 4. Dezember 2025 in Berlin. Die dort vereinbarten Maßnahmen begünstigen in Teilen das Planungsvorhaben, insbesondere durch die Konzentration der Prüfverfahren. Kritisch zu bewerten sind dabei die Reduzierung der Öffentlichkeitsbeteiligung auch bei UVP-pflichtigen Vorhaben sowie die lediglich einmalige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit bei Änderungen im laufenden Planverfahren.
Letztlich besteht die Gefahr, dass der Bund über die Köpfe der betroffenen Regionen hinweg entscheidet. Umso wichtiger ist es, insbesondere die junge Generation für dieses Thema zu sensibilisieren. Es geht um ihre Heimat sowie um den langfristigen Erhalt und den Schutz des Lebensraums in unserer Region.


Von Redaktion
north