Bad Nenndorf hat eine neue Attraktion: Mit dem Planetenwanderweg lässt sich das Sonnensystem nun Schritt für Schritt erkunden. Zur offiziellen Eröffnung spielte auch das Wetter mit, bei Sonnenschein machten sich rund 200 Besucherinnen und Besucher auf den Weg, um das Projekt kennenzulernen.
Der Planetenwanderweg verläuft über rund zwei Kilometer vom Bahnhofskreisel bis zur B65. Entlang des Weges sind die Sonne und die Planeten, Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun maßstabsgetreu angeordnet. Dabei gilt: Ein Meter auf der Strecke entspricht rund zwei Millionen Kilometern im Weltall. Initiator, Lehrer und Leiter des Astronomie-Seminarfachs Ole Gleiche vom Gymnasium Bad Nenndorf machte die Dimensionen anschaulich: Wer die rund 75 Meter zwischen Sonne und Erde zurücklegt, ist schneller als das Licht, das für diese Distanz im All etwa acht Minuten benötigt.
Die Idee zu dem Projekt entstand bereits vor mehreren Jahren. Es entwickelte sich daraus nach und nach ein kombinierter Lern- und Erlebnisraum im öffentlichen Raum. Unterstützung erhielt das Vorhaben insbesondere aus dem Rathaus. Bürgermeisterin Marlies Matthias habe die Umsetzung maßgeblich begleitet und wieder „aufleben“ lassen, so Gleiche.
Gleichzeitig waren zahlreiche Abstimmungen mit dem Landkreis erforderlich, etwa bei der Standortwahl der einzelnen Stationen. So wurde die Sonne aus Sicherheitsgründen auch nicht direkt auf dem Bahnhofsvorplatz platziert, was sich für die Sonne als durchaus würdig erwiesen hätte, sondern etwas abseits davon am Rand des Bahnhofskreisels.
Die einzelnen Stationen bestehen aus Sandsteinstelen, die vom Bauhof der Gemeinde aufgestellt wurden. Darauf befinden sich runde Informationstafeln aus Plexiglas, die die jeweilige Planetenoberfläche zeigen und grundlegende Daten vermitteln. Ursprünglich war vorgesehen, regionalen Sandstein zu verwenden, erklärte die Vorsitzende des Landesgartenschau Fördervereins Marion Kramer, doch aus Kostengründen musste auf eine Alternative aus dem Ausland zurückgegriffen werden, nachdem man insgesamt neun Angebote eingeholt hatte.
Ergänzt wird der Wanderweg durch eine digitale Anwendung. Die App „Planetenwanderweg Bad Nenndorf“, entwickelt von Gymnasialschüler Arne Koch, bietet zusätzliche Inhalte. Er erklärte, dass sich durch die GPS-Koordinaten an den Stationen dreidimensionale Darstellungen der Planeten per Augmented Reality auf dem Endgerät angezeigt werden können. Auch Hörbeiträge, erstellt von den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums, mit Informationen über die Planeten, wurden in die App integriert. Selbst Pluto, ehemals als neunter Planet bekannt, allerdings seit 2006 als Zwergplanet klassifiziert, ist auf diesem Planetenweg vertreten, jedoch nicht als Stele, sondern ausschließlich digital. Zu finden ist die kostenlose App aktuell nur im Apple App-Store, für Android-Geräte soll demnächst aber auch noch eine App folgen.
An der Umsetzung waren neben dem Förderverein der Landesgartenschau auch rund 60 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums beteiligt, insbesondere aus dem Astronomie-Seminarfach. Die Projektleitung übernahm Randolf Germer aus dem Fördervereins-Team. Bei der Eröffnung unterstrich zudem Gymnasialschülerin Michelle Kusmin stellvertretend die Bedeutung des Projekts für die Beteiligten.
Der Planetenwanderweg funktioniert allerdings auch ohne digitale Unterstützung. Informationstafeln am Anfang und Ende sowie an den einzelnen Stationen liefern anschauliche Einblicke in die Struktur unseres Sonnensystems und das Projekt. Ziel ist es, die enormen Entfernungen greifbar zu machen und Wissenschaft erlebbar in den Alltag zu integrieren.
Nach einem Teil der Strecke nutzten viele Gäste die Gelegenheit zu einer Pause im Bürgergarten. Dort befindet sich am Wegesrand passenderweise die Stele des Saturn, jenes Planeten, der durch seine markanten Ringe bekannt ist.
Der Planetenwanderweg verläuft teilweise auf einer ehemaligen Bahntrasse, die heute als kombinierter Fuß- und Radweg dient. Ein Teil der Planeten finden sie allerdings schon auf der Bahnhofstraße.
Finanziert wurde das Projekt durch eingesammelte Spenden des Fördervereins der Landesgartenschau. Dessen Vorsitzende Marion Kramer hervorhob, wie viel ehrenamtliches Engagement in die Realisierung eingeflossen ist.
Mit dem neuen Angebot ist in Bad Nenndorf ein besonderer Lernort entstanden, der Natur, Bewegung und moderne Technik miteinander verbindet und dabei eindrucksvoll die Dimensionen des Universums vor Augen führt.