Ein Spaziergang mit anschließendem Marktbesuch und Einkauf am Gemüsestand brachte nette Abwechslung, sorgte aber im Nachhinein für viel Wirbel. Wieder im Hause der Familie angekommen bemerkte die Neuhäuserin das Fehlen ihres Portemonnaies. Zuerst ging sie davon aus, es im Haus der Verwandten verlegt zu haben. Doch auch nach einer gründlichen Suche über mehrere Tage blieb es samt beträchtlichem Inhalt verschwunden. Auch Nachfragen im Fundbüro verliefen erfolglos, die Geldbörse fand sich nicht wieder an. Eine Woche später besuchte die Neuhäuserin erneut mit ihrer Schwester den Wochenmarkt im Stadtzentrum, ihr Weg führte sie wieder an den Gemüsestand Was sich dann ereignete, erlebt man nicht oft. Taner Kahramanm, der Standinhaber, schien sich an die Kunden der vergangenen Woche zu erinnern.
Er kam auf die beiden älteren Damen zu und erkundigte sich, ob sie ein Portemonnaie vermissen würden. „Ich hatte mich schon erfolglos bei allen Nachbarständen erkundigt, aber niemand konnte weiterhelfen”, sagte Kahraman, „ich habe die Geldtasche an mich genommen und die Hoffnung einfach nicht aufgegeben den Eigentümer doch noch zu finden”. Auch im Altenheim habe er schon nachfragen wollen. Im Portemonnaie befanden sich keine Schriftstücke oder Karten, die Rückschlüsse auf den Besitzer zugelassen hätten.
Die Überraschung und Freude war riesengroß, als die Neuhäuserin ihr Portemonnaie mit vollständigem Inhalt wieder in den Händen hielt. So viel Einsatz, Mühe und vor allem Ehrlichkeit ist selten zu finden. Der Marktstandinhaber antwortete darauf nur selbstverständlich: „Ich bin praktizierender Moslem, unser höchstes Gebot ist Ehrlichkeit. Man eignet sich nichts an, was einem nicht gehört”.