Niemeier selbst hat im Krankenhaus Rinteln Beobachtungen gemacht, die seiner Meinung nach in hohem Maße zynisch sind: „Das Krankenhaus selbst macht am Freitagnachmittag eigentlich den Eindruck, als ob es den Betrieb schon eingestellt hätte. Das verwundert auch nicht, weil die diversen angesiedelten Arztpraxen naturgemäß um diese Zeit nicht mehr besetzt und somit auch nicht frequentiert sind. Wenn man dann allerdings auf die wenigen noch offenen Stationen im 1. Und 2. Stock kommt, kann man Personal im Laufschritt erleben, sichtlich bemüht, den vorhandenen Stress nicht die Patienten und Besucher merken zu lassen. Das gilt gleichermaßen für Ärzte wie Pflegepersonal. Für Außenstehende, die sehenden Auges durch diese Stationen gehen, ist die angespannte Situation mit Händen zu greifen. Die getroffenen Maßnahmen sind offensichtlich ausschließlich unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten entschieden worden. Die Menschen bleiben auf der Strecke!” Niemeier rät daher den noch verbliebenen Beschäftigten des Krankenhauses, unter diesen Bedingungen dringend und rechtzeitig Überlastungsanzeigen abzugeben, weil ansonsten mehr oder weniger zu erwartende Fehler auch noch von diesem Restpersonal verantwortet werden müssten: „Es ist zu fragen, ob vielmehr unter solchen Bedingungen der Weiterbetrieb des Krankenhauses überhaupt noch im Interesse der Patienten bzw. im Sinne der Rintelner Bevölkerung ist. Auch die Beschäftigten haben einen Anspruch auf die Fürsorgepflicht ihres Arbeitgebers!”