Mit dem jetzt stattgefundenen Veranstaltungswochenende an seinem größten Spielort Luhmühlen in der Lüneburger Heide ist die Ära der Musikarena beim Mittelalterlich Phantasie Spectaculum endgültig zu Ende gegangen. Schon bei den beiden Terminen in Bückeburg Ende Juli und Anfang August hatten die vielen Tausend Fans zum letzten Mal die Auftritte der ganz großen Mittelalter-Rock-Bands wie Saltatio Mortis, Feuerschwanz, Versengold oder Subway To Sally zelebriert und gefeiert. Und auch wenn die Saison 2026 noch nicht beendet ist - es folgt noch das „Retro MPS” am letzten September-Wochenende in Borken - richten sich die Blicke der Fans erwartungsvoller denn je auf das kommende Jahr.

Fraglos steht das weltweit größte reisende Mittelalter- und Musikfestival vor einer ähnlich bedeutsamen Zäsur wie im Jahr 2006, als MPS-Gründer und -Chef Gisbert Hiller begann, die Großveranstaltung systematisch auf Festival-Kurs auszurichten und den Charakter der Veranstaltung fortan ganz bewusst als „phantastisch, nicht authentisch” beschrieb. Dieser Wesenskern des MPS mit seiner charakteristischen Mischung aus Live-Musik und Mittelalter- und Fantasy-Großveranstaltung mit Dudelsäcken, Kleinkunst, Barden und Gauklern bleibe unverändert, wird der MPS-Chef dabei nicht müde, öffentlich zu betonen.

Vor allem würden Größe und Programmumfang an den drei verbliebenen Groß-Spielorten Rastede, Bückeburg und Luhmühlen nicht eingeschränkt. „Bückeburg bleibt fett, aber anders fett”, so die Formulierung im MPS-Jargon. Dafür werde sich die Festivalatmosphäre deutlich ändern: Feuriger, phantastischer und familiärer”, werde das MPS ab 2027 werden, verspricht Hiller. Konkret heißt das: Neben bewährten Bands und so manchen künstlerischen Urgesteinen sollen deutlich mehr junge, aufstrebende Künstler und Musiker Live-Präsenz erhalten. Kein Bühnen-Gigantismus mehr wie in Wacken oder beim Rock am Ring, dafür insgesamt sechs kleinere Musikbühnen und weitere Spiel- und Szeneflächen, die auf das ganze Veranstaltungsgelände verteilt werden. Auch Kinder- und Familienprogramm wird noch weiter in den Vordergrund gerückt. Dadurch wird das MPS auch deutlich preiswerter: Denn ab 2027 wird es auch keine Geländeteilung mit separaten Eintrittspreisen mehr geben, sondern nur noch einen einheitlichen Eintritt, der deutlich unter dem hohen Ticketpreis für die Musikarena liegen wird.

Zudem wird das MPS ab 2027 - ohne die Musikarena mit ihren riesigen Tonanlagen und Lautsprechertürmen - auch spürbar leiser. Was möglicherweise nicht nur dem einen oder anderen Anwohner mit geöffnetem Wohnzimmerfenster gefällt, sondern auch der Veranstaltung selbst zugute kommt. Denn nicht selten in den letzten Jahren kamen die besonders dezibelstarken Auftritte von Bands wie Saltatio Mortis, Subway To Sally oder Fiddler's Green benachbarten Darbietungen wie beispielsweise dem Ritterturnier akustisch in die Quere.

Dem MPS unverändert erhalten bleiben weiterhin Publikumsfavoriten wie die Heilige Dreischeußlichkeit, die großen Bällebäder, die Ritterturniere, die Feuershows, der Pestumzug oder das Seifenblasentheater „Nebenbei Sorgenfrei”. Altbewährte MPS-Künstler wie die Cobblestones, Kupfergold, Heavy Saurus, das Duivelspack, Ye Banished Privateers, Cultus Ferox oder Comes Vagantes werden ebenso weiter dabei sein, dazu Neuzugänge wie Liedermacher Jonathan Roth Deblon oder Zarakas der schwarze Barde. Auch der Zutritt zum Mausoleum wird 2027 beim Besuch des Bückeburger MPS wieder inbegriffen sein, nachdem dies in diesem Jahr die Sanierungsarbeiten an der Mausoleumstreppe verhinderten. Deutlich ausgeweitet wird zudem auf Grund der veränderten Platzverhältnisse die Zahl der Händler sowie der teilnehmenden mittelalterlichen Heerlagergruppen.

Dass das MPS unter diesen Bedingungen funktionieren wird, da sind sich die MPS-Verantwortlichen sicher. Denn ganz neue ist dieses MPS ohne Musikarena und ohne Mega-Bands nicht. Schon im Frühjahr 2026 erlebte das vergleichbar organisierte „Retro MPS” auf dem schleswig-holsteinischen Gut Emkendorf einen fulminanten Erfolg und wurde von Besuchermassen förmlich überrannt.

Der Termin für das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum Bückeburg im kommenden Jahr steht mit dem 24. und 25 Juli 2027 sowie dem 31. Juli und dem 1. August 2027 bereits fest. Der Vorverkauf für beide Wochenenden über das Internet ist bereits gestartet. Und während die Zweiteilung in den Marktbereich und die Musikarena mit unterschiedlichen Ticketpreisen wegfällt, gibt es ab der Saison 2027 erstmals auch wieder 2-Tages-Karten für ein komplettes Wochenende.

Die diesjährige MPS-Saison endet am 26. und 27. September 2026: Dann kehrt das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum mit seinem zweiten „Retro MPS” nach neunjähriger Pause auf das Wasserschloss Pröbsting im münsterländischen Borken zurück. Mit dem Gut Basthorst in Schleswig Holstein wird im kommenden Jahr am 25. und 26. September 2027 ein weiterer besonders traditionsreicher ehemaliger MPS-Spielort mit einem Retro-MPS wiederbelebt.