Einziger Wermutstropfen bei der gelungenen Veranstaltung mit den Solisten Bettina Pahn (Sopran) und Joachim Held (Laute/Theorbe) war die Tatsache, dass doch etliche Plätze in der Nikolai-Kirche frei geblieben waren. Dabei waren die besinnliche Lautenmusik und die Kantaten aus der Barockzeit der beiden Interpreten mit internationalem Renommee von hohem künstlerischen Wert - hörbar auch für weniger geübte Ohren. Das Duo intonierten unter anderem Kompositionen von Heinrich Schütz, Joh. Franck, Claudio Monteverdi und Johann Sebebastian Bach.
Bettina Pahn ist eine vielgefragte Sängerin und arbeitet unter anderem mit Dirigenten wie Ton Koopmann und Frieder Bernius. 2009 erhielt sie für eine CD-Einspielung den Echo-Klassik-Preis. Joachim Held ist Professor für alte Musik an der Musikhochschule Bremen und spielt regelmäßig bei den Salzburger Festspielen mit Nikolaus Harnoncourt und Giardino Armonico. Er wirkte auch mit bei der bekannten Vivaldi-Aufnahme mit der berühmten Sängerin Cecilia Bartoli mit. 2006 erhielt er den Echo-Klassik für die beste Einspielung „Erfreuliche Lautenlust”.
Zwei Tage zuvor, am Freitagabend, hatte sich in der Kirche eine komplett andere Atmosphäre entwickelt: Auf dem Programm stand eine Jazz-Improvisationen mit Saxophon und Orgel. „Eine ziemlich spannende Sache,” wie die Veranstalter versprochen hatten. Und genau das war es auch:
Die Solisten, Gabriel Coburger und Claus Bantzer - beide ebenfalls mit großer internationaler Reputation - entwickelten zunächst ein Klangbild, das eher als ein Crossover von Débussy bis Bartok hätte apostrophiert werden können. Aber obwohl die Zuschauerschaft vielleicht mehr „echten” Jazz erwartet hätte, boten die Künstler ein ebenso buntes wie qualitativ hochwertiges Programm, das auf keinen Fall eines war: Langweilig. Und eines durfte die Zuhörerschaft auch nicht unberücksichtigt lassen: Schließlich wussten die Künstler ja selbst nicht, wie und was sie an dem Abend spielen würden. Claus Bantzer kommt eher aus dem klassischen Bereich, hat aber mittlerweile auch viele Cross-Over-Projekte initiiert und sich zudem als Filmkomponist einen Namen gemacht. Unter anderem schrieb er die Musik zu dem Doris-Dörrie-Film „Kirschblüten”. Gabriel Coburger, ein echter Jazzer, hat schon mit Genre-Größen wie Peter Herbolzheimer, Albert Mangelsdorff, Inga Rumpf, Nils Landgren und der NDR-Bigband konzertiert. Foto: km