Kurz vor dem geplanten Abschluss des Verfahrens hat das Projekt Gewerbegebiet „Niedere Heide II“ im Auetal eine unerwartete Wendung genommen (wir berichteten). Der Vorhabenträger, die 9. Bauwo log GmbH, zieht sich aus dem Projekt zurück. Die Gemeindeverwaltung wurde darüber Anfang Dezember, informiert – nur zwei Tage bevor die Beschlussunterlagen für den Satzungsbeschluss für die zukünftigen Planungen veröffentlicht werden sollten. Verwaltung und Politik haben dementsprechend eine gemeinsame Presseerklärung herausgegeben, um genauer zu informieren.
Als Grund nennt das Unternehmen demnach für den Rückzug fehlende Planungssicherheit, unter anderem bei der Verkehrsführung. Im Mittelpunkt steht dabei der zu erwartende Lastwagenverkehr durch die Hauptstraße in Rehren. Die ursprünglich gemeinsam geplante Ampelanlage am Marktplatz werde nicht mehr weiterverfolgt, stattdessen habe sich die Gemeinde kurzfristig für einen Kreisverkehr ausgesprochen. Diese Lösung erfordere jedoch ein Planfeststellungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung sowie Grundstücksenteignungen. Eine verlässliche zeitliche Umsetzung sei damit aus Sicht des Investors nicht mehr gegeben.
Nach Angaben des Vorhabenträgers habe zudem ein Verkehrsgutachter darauf hingewiesen, dass ohne einen Ausbau des Marktplatzes zu viele unbekannte Faktoren bestünden, um die Verkehrsströme sicher zu lenken. Solange unklar bleibe, wann ein Kreisverkehr tatsächlich realisiert werde, fehle die notwendige Planungssicherheit auch mit Blick auf potenzielle Mieter.
Bürgermeister Jörn Lohmann zeigte sich überrascht vom Zeitpunkt der Entscheidung. „Wir respektieren grundsätzlich, dass sich wirtschaftliche Einschätzungen in herausfordernden Zeiten ändern können und Unternehmen ihre Entscheidungen daran ausrichten müssen“, erklärte er auf Anfrage. Verwundert sei jedoch die sehr kurzfristige Mitteilung, nachdem über zweieinhalb Jahre hinweg intensiv und konstruktiv an dem Vorhaben gearbeitet worden sei. „Bis zum 1. Dezember 2025 bestand aus unserer Sicht vollständige Einigkeit über die ausgehandelten Modalitäten.“
Der Vorhabenträger betont seinerseits die bislang gute Zusammenarbeit mit Verwaltung und Politik. Man habe vertrauensvoll zusammengearbeitet und viel Zeit sowie erhebliche finanzielle Mittel investiert. Der zunehmende Lkw-Verkehr sei für Rehren und seine Einwohner jedoch nur dann vertretbar, wenn eine Ampel oder ein Kreisverkehr am Knotenpunkt Rehrener Straße und Marktplatz umgesetzt werde. „Wann dies letztlich realisiert werden kann, ist aufgrund der erforderlichen Planfeststellung leider nicht sicher absehbar“, heißt es. Unter diesen Bedingungen sei ein Projekt dieser Größenordnung wirtschaftlich nicht tragfähig.
Auch im Gemeinderat stößt der Rückzug auf Verwunderung. Für die SPD-Fraktion erklärte Rüdiger Teich, man habe das Projekt konsequent begleitet und zahlreiche Kompromisse ermöglicht. Dass nun kurz vor dem finalen Beschluss grundlegende wirtschaftliche Bedenken vorgebracht würden, stelle die gewachsenen Vertrauensstrukturen auf eine harte Probe. Zugleich betonte Teich, dass Veränderungen nicht nur negativ zu bewerten seien. Ziel sei es nun, eine möglichst einvernehmliche Lösung mit der Bevölkerung zu entwickeln.
Wie geht nun eine Weiterentwicklung?
Kritisch äußerte sich auch die Gruppe CDU/Grüne. Lars Röwer (CDU) kündigte an, nun prüfen zu wollen, wie die für das Gewerbegebiet vorgesehene Fläche sinnvoll weiterentwickelt werden könne. Die Schaffung von Arbeitsplätzen im Auetal habe weiterhin hohe Priorität. Zugleich müsse an einer Verbesserung der Verkehrssituation in Rehren, möglichst durch einen Kreisverkehr, festgehalten werden.
Die Wählergemeinschaft Auetal zeigte sich ebenfalls irritiert. Christoph Held sprach von einer intensiven gemeinsamen Arbeit von Rat und Verwaltung an den notwendigen Rahmenbedingungen. Der kurzfristige Rückzug des Vorhabenträgers sei aus Sicht der Gemeinde außerordentlich bedauerlich.
Ungeachtet der aktuellen Entwicklung hält die Gemeinde Auetal an dem Ziel fest, das Gewerbegebiet „Niedere Heide II“ wirtschaftlich tragfähig und nachhaltig zu entwickeln. Die Fraktionsvorsitzenden im Rat haben bereits signalisiert, das Projekt auch ohne den bisherigen Investor weiterverfolgen zu wollen. Der Rückzug des Vorhabenträgers und die bestehenden Anwohnerbedenken sollen nun zum Anlass genommen werden, die konkrete Ausgestaltung des Gewerbegebiets erneut grundlegend zu prüfen.