Das danke ich unserer lieben Mutter auch nach ihrem Tode noch, dass sie uns damals am Kinderbett das Beten gezeigt hat. Wie gut! Gott sei Dank! Sie hat es uns vorgemacht, wie man beten kann: Einfach so zu Gott beten, wie man mit einem Menschen spricht.
Wir können ja soviel selber machen. Wie gut, wenn uns vieles gelingt und wir den Mut und die Kraft haben, unser Leben in die Hand zu nehmen und unsere Vorhaben anzupacken. Allerdings gibt es immer noch genug Situationen, wo uns die Luft ausgeht, wo wir nicht mehr weiterwissen, wo wir manchmal sogar Angst bekommen, wie denn alles werden soll.
Ich staune über ein Psalmgebet von König David. Er hat ja so viele Psalmgebete gedichtet. Und er hatte ein sehr bewegtes Leben. Doch er wusste auch um Gott und hat sich immer wieder ihm anvertraut, zu ihm gebetet und seinen inneren Frieden darüber gesucht und meistens auch gefunden. So dichtet David in Psalm 62, 9: „Hoffet auf ihn allezeit, liebe Leute, schüttet euer Herz vor ihm aus; Gott ist unsere Zuversicht.“ Das ist ja mal eine Ansage. David ermutigt seine Zeitgenossen, ihre Hoffnung in Gott zu setzen. Ihm war klar, dass Gott den Überblick behält und dass man ihm alles sagen kann, sogar so, wie einem „der Schnabel gewachsen ist“. Ich bin der festen Überzeugung und das ist meine eigene Erfahrung, dass ein gesprochenes Gebet das Herz ruhig macht und zum inneren Frieden verhilft. Wer eine Adresse hat, wohin mit den Sorgen und Ängsten des Lebens, der findet im Gebet zu Gott die erste große Entlastung. Ein Versuch ist es wert. Gott hört mein Gebet, Ihr Gebet, dein Gebet. Und wer sein Herz ausschütten kann vor Gott, der kommt runter.
Und Gott hört auch Gebetsschreie! Unvergesslich für mich ist die Autofahrt zur Beerdigung mit afrikanischen Brüdern und Schwestern zum Friedhof außerhalb der burundischen Hauptstadt Bujumbura. Hinter dem Flughafen in der Ebene am Tanganyika-See wurden die Straßen immer enger und der Weg zum Friedhof lag noch ein paar Kilometer entfernt. Die Straße war fast so schmal wie bei uns ein Feldweg. Vor uns fuhr ein Kleinbus, Marke Toyota. Das sind in Burundi die Transportbusse. Plötzlich bremste dieser Kleinbus und wollte rechts heranfahren. Ich merkte, dass ich hinter ihm nicht mehr bremsen kann und zog in die Mitte der Straße. Und von vorne kam ein Kleinbus entgegen. Ich schrie aus Leibeskräften: „Yesu!“ - „Jesus!“ Und was passierte? Der entgegenkommende Kleinbus zog rechts auf den nicht vorhandenen Seitenstreifen und wir witschen gerade so passend zwischen diesen beiden Bussen durch. Unser Schreck war groß und ich musste erst einmal anhalten. Viele mögen sagen: „Ja, Glück gehabt.“ Ich möchte ergänzen: „Es war mehr als Glück. Gott hat seine Engel geschickt, die uns das Schlupfloch ermöglichten. Gott hört auch Gebetsschreie. Das war mein unvergessliches Erlebnis in Burundi mit Gebet und Straßenverkehr. Gebet ist immer eine Option. Uns bleibt das Ausprobieren. Na denn, …..
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