Was bedeutete das Ende des Zweiten Weltkriegs für die Menschen, die es unmittelbar erlebten? Befreiung, Besatzung, Neuanfang oder Zusammenbruch? Das Team von „folklicht*“, bestehend aus Leah Lichtwitz und Folkert Dücker, hat gemeinsam mit Regisseurin Anne Wittmiß und Videokünstler Lucian Patermann eine multiperspektivische Annäherung an die letzten Kriegsmonate und die Zeit unmittelbar nach dem Ende der NS-Herrschaft entwickelt. Im Mittelpunkt stehen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Positionen: jüdische Menschen, Zwangsarbeiter, Funktionsträger des NS-Regimes und andere Beteiligte. Aus unterschiedlichen Sichtweisen blicken sie auf die Befreiung und werfen dabei die Frage, wie sich Menschen, die gestern noch Täter und Opfer waren, begegnen.
Die vom Förderverein ehemalige Synagoge Stadthagen organisierte Aufführung in der Alten Polizei steht in Stadthagen in einem lokalen erinnerungskulturellen Zusammenhang, den die ehemalige Synagoge als Gedenk- und Lernort mitprägt. „Mit Theater kann der Sprung in ein historisches Erleben gelingen. Wir formen aus Geschichte Geschichten. Theater hat den Vorteil, Geschichte und Erinnerungen direkt sinnlich erfahrbar werden zu lassen“, sagen die künstlerischen Leiter Leah Lichtwitz und Folkert Dücker. Für Andreas Kraus, erster Vorsitzender des Fördervereins ehemalige Synagoge Stadthagen, trifft sich die Aufführung mit den Intentionen als Gedenk- und Lernort: „Das Ende des verbrecherischen Krieges, mit dem Deutschland Europa überzogen hat, und damit auch das Ende einer brutalen Diktatur, bedeutet in der Tat eine Befreiung.“
Die Inszenierung verbindet historische Erinnerung mit einer gegenwärtigen gesellschaftlichen Frage: Wie wollen wir mit unserer Geschichte umgehen – und welche Bedeutung haben Freiheit, Verantwortung und demokratische Werte für unser Zusammenleben heute?
Wer sich dieser Frage stellen, Teil der Inszenierung werden und auch drüber ins Gespräch kommen möchte, ist am Freitag, 9. Oktober, herzlich in der Alten Polizei willkommen. Beginn ist um 20 Uhr. Karten sind über die Homepage www.goodmorning-wf.de verfügbar. Dort finden sich auch weitere Informationen zu der Produktion.