Schlechte Nachrichten für viele Mieter in Bückeburg: Die Noratis AG, Eigentümerin von mehr als 40 Mehrfamilienhäusern mit über 200 Wohnungen in der Stadt, hat beim Amtsgericht Frankfurt einen Insolvenzantrag gestellt. Der Immobilienkonzern mit Sitz in Eschborn ist einer der größten Vermieter in Bückeburg und bundesweit tätig.
Wie eine Gruppe betroffener Bewohner jetzt bei einem Gespräch mit Bürgermeister Axel Wohlgemuth berichtete, gibt es bereits seit Längerem erhebliche Probleme mit dem Unternehmen. Wohlgemuth hatte nach dem öffentlichen Bekanntwerden der Schwierigkeiten kurzfristig ins Rathaus eingeladen, um Hilfe anzubieten. Mieter schilderten nun, dass ihre Beschwerden und Schäden teils seit zwei Jahren ungelöst seien. Mit der Zahlungsunfähigkeit wachse nun zusätzlich die Verunsicherung.
Sanierung im Schutzschirmverfahren
Nach Angaben der Noratis AG wurde der Antrag wegen „drohender Zahlungsunfähigkeit“ bereits im Dezember gestellt. Weitere Tochtergesellschaften sollen in den kommenden Wochen ebenfalls Anträge auf Eigenverwaltung oder ein sogenanntes Schutzschirmverfahren einreichen.
Beschwerden über Zustände in den Häusern
In Bückeburg hatten betroffene Mieter bereits in den vergangenen Monaten wiederholt über Mängel in den Noratis-Häusern berichtet. In einem Mehrfamilienhaus an der Röntgenstraße etwa ist seit Herbst die Gasheizung komplett ausgefallen und nicht reparierbar, andere Noratis-Mieter in der Straße haben zwar Heizung, aber kein warmes Wasser. Eine Familie mit kleinem Kind lebt nach einem Wasserschaden seit Monaten in einer asbestbelasteten Wohnung, weil Bauarbeiten ruhen. In Häusern an der Peetzer Straße wird nach Angaben der Bewohner die Heizung ab 22 Uhr abgeschaltet. Auch nicht geräumte Gehwege im Winter und der Ausfall des Hausmeisterdienstes haben für Ärger gesorgt.
Zudem gehen die Schilderungen über die fortlaufende Bezahlung von Handwerkern und Dienstleistern zwischen Unternehmen und Mietern im Moment deutlich auseinander. Während Mieter darlegen, dass Arbeiten wegen unbezahlter Rechnungen zum Stillstand gekommen seien, verweist Noratis auf eine laufende Sicherstellung wesentlicher Leistungen.
Besonders frustrierend für viele: Die Kommunikation mit Noratis gilt als äußerst schwierig. Schadensmeldungen blieben oft unbeantwortet oder würden lediglich mit dem Hinweis „Das leiten wir weiter“ aufgenommen. Jetzt gab es zudem Post mit dem Vermerk des Insolvenzverfahrens, aber keine Informationen dazu, an wen nun die Miete zu überweisen ist. Grundsätzlich wäre das bei einem laufenden Verfahren nicht mehr das Unternehmen, sodnern der Verwalter.
Stadt versucht zu unterstützen
Bürgermeister Axel Wohlgemuth versprach den Betroffenen, die Stadt werde sich, soweit es geht, einsetzen und den Druck erhöhen. Mieter sollten dazu eine Kopie ihrer Mangelanzeigen direkt im Rathaus einreichen, damit die Verwaltung den Vorgängen gesammelt nachgehen kann. Gleichzeitig machte Wohlgemuth deutlich, dass es sich rechtlich um zivilrechtliche Angelegenheiten zwischen Mieter und Vermieter handle, in die die Stadt formal nicht eingreifen könne.
„Aber bei der Vielzahl betroffener Bückeburgerinnen und Bückeburger wollen wir unterstützen, wo immer es möglich ist“, sagte der Bürgermeister. Für ein mögliches Gespräch mit Vertretern der Noratis AG und dem vorläufigen Insolvenzverwalter, Dr. Andreas Kleinschmidt, will die Stadt erneut den Sitzungssaal zur Verfügung stellen.
Wohlgemuth hat das Unternehmen und den Sachwalter bereits zu einem Gespräch eingeladen. Eine Rückmeldung dazu lag bis Redaktionsschluss nicht vor.